Wanderer auf einem Bergpfad bei Sonnenaufgang
Die beste Vorbereitung ist die, die dich sicher ans Ziel bringt

Die Vorbereitung auf einen Pilgerweg beginnt nicht erst beim Packen des Rucksacks. Sie beginnt in deinem Kopf – mit der Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Und sie setzt sich fort mit körperlichem Training, mentaler Vorbereitung und praktischer Planung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Beginne 8-12 Wochen vor dem Start mit dem Training
  • Laufe deine Schuhe mindestens 100 km ein
  • Mache Probewanderungen mit vollem Rucksack
  • Plane realistisch: 20-25 km pro Tag sind ein gutes Ziel

1. Körperliche Vorbereitung

Ein Pilgerweg ist keine Wanderung, die du mal eben so machst. Er ist eine Reise, die dich körperlich fordern wird. Aber keine Sorge: Du musst kein Spitzensportler sein. Die meisten Pilger sind ganz normale Menschen, die sich gut vorbereitet haben.

Person beim Wandertraining in der Natur
Regelmäßiges Training ist der Schlüssel zum Erfolg

Der 12-Wochen-Trainingsplan

  1. Wochen 1-4: Grundlagenausdauer aufbauen. 3x pro Woche 30-45 Minuten zügig gehen oder leicht joggen.
  2. Wochen 5-8: Distanz steigern. Wöchentlich eine längere Wanderung (10-15 km), mit Rucksack (5-7 kg).
  3. Wochen 9-10: Intensität erhöhen. Zwei längere Wanderungen pro Woche (15-20 km), Rucksack voll beladen.
  4. Wochen 11-12: Tapering. Kürzere Wanderungen, Körper erholen lassen. Eine letzte Probewanderung mit allem Gepäck.

Die beste Vorbereitung war, einfach loszulaufen. Jeden Tag ein bisschen weiter. Nach 6 Wochen fühlte ich mich bereit für alles.

Thomas, 52 Camino Francés 2023

2. Schuhe einlaufen – Der wichtigste Tipp

Blasen sind der häufigste Grund, warum Pilger aufgeben müssen. Und der häufigste Grund für Blasen? Neue oder nicht eingelaufene Schuhe. Investiere Zeit in diesen Schritt – er ist wichtiger als jedes andere Training.

So läufst du Schuhe richtig ein

  • Mindestens 100 km vor dem Pilgerweg in den Schuhen laufen
  • Verschiedene Untergründe testen: Asphalt, Schotter, Waldwege
  • Bei Regen und Hitze testen – du wirst beides erleben
  • Mit den Socken laufen, die du auch pilgern wirst

Warnsignale beachten

  • Druckstellen oder Reibung nach 10 km = Schuhe passen nicht
  • Taube Zehen = Schuhe zu eng oder falsch geschnürt
  • Fersenschlupf = Schuhe zu groß oder falsche Form
  • Knieschmerzen = evtl. Einlagen oder andere Schuhe nötig
Profi-Tipp: Kaufe deine Schuhe nachmittags, wenn deine Füße leicht geschwollen sind – so wie sie auch beim Pilgern sein werden. Und nimm dir Zeit im Fachgeschäft!

Vorbereitung in Zahlen

Trainingswochen
8-12
Schuhe einlaufen
100 km
Probewanderungen
3-5
Tagesetappe
20-25 km

3. Mentale Vorbereitung

Die mentale Vorbereitung ist genauso wichtig wie die körperliche. Ein Pilgerweg ist eine Reise zu dir selbst. Du wirst Zeit haben nachzudenken, alte Muster zu hinterfragen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Ruhiger Moment der Reflexion in der Natur
Zeit für dich selbst – das ist das Geschenk des Pilgerns

Was dich erwartet

  • Momente purer Freude und Dankbarkeit
  • Tage, an denen alles schwer fällt und du zweifeln wirst
  • Begegnungen mit Menschen, die dein Leben bereichern
  • Tiefe Erkenntnisse über dich selbst und dein Leben
  • Das Gefühl, etwas Besonderes geschafft zu haben
Wanderer mit Rucksack auf dem Weg
Praktischer Tipp

Die Probewanderung ist Pflicht

Mache mindestens eine Wanderung über 20 km mit vollem Gepäck. Starte früh morgens, wie du es auch auf dem Pilgerweg tun wirst. So merkst du, was funktioniert – und was nicht. Die meisten Pilger sortieren nach dieser Erfahrung noch einmal kräftig aus.

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4. Zeitplanung

Plane realistisch. Überschätze dich nicht, aber unterschätze dich auch nicht. Die meisten Pilger schaffen 20-25 km pro Tag. Plane Ruhetage ein und sei flexibel.

Realistische Tagesetappen
  • Anfänger: 15-20 km pro Tag
  • Geübt: 20-25 km pro Tag
  • Sportlich: 25-35 km pro Tag
  • Alle 5-7 Tage ein Ruhetag
Beste Reisezeit
  • April-Juni: Frühling, angenehm, nicht zu voll
  • Juli-August: Heiß, sehr voll, früh starten!
  • September-Oktober: Herbst, ideal, beliebte Zeit
  • November-März: Ruhig, aber kalt, weniger Herbergen

Häufige Fragen zur Vorbereitung

Wie fit muss ich sein?
Du musst kein Sportler sein! Wenn du 10 km am Stück gehen kannst, ohne völlig erschöpft zu sein, hast du eine gute Grundlage. Der Rest kommt mit dem Training. Viele Pilger sind Anfänger und schaffen es trotzdem.
Kann ich auch ohne Training starten?
Technisch ja, aber wir raten dringend davon ab. Ohne Vorbereitung riskierst du Verletzungen, Blasen und Überlastung. Die ersten Tage werden zur Qual statt zur Freude. Investiere die Zeit – es lohnt sich!
Was ist, wenn ich unterwegs aufgeben muss?
Das ist keine Schande! Viele Pilger unterbrechen ihren Weg und kommen später wieder. Wichtig ist, auf deinen Körper zu hören. Ein abgebrochener Pilgerweg ist besser als eine dauerhafte Verletzung.
Soll ich alleine oder in einer Gruppe gehen?
Beides hat Vorteile. Alleine bist du flexibler und hast mehr Zeit für dich. In einer Gruppe hast du Gesellschaft und Sicherheit. Viele starten alleine und finden unterwegs Weggefährten – das ist das Schöne am Pilgern.
Wie bereite ich mich mental vor?
Setze dir keine zu hohen Erwartungen. Sei offen für das, was kommt. Akzeptiere, dass es schwere Tage geben wird. Und erinnere dich daran, warum du diesen Weg gehen willst. Ein Tagebuch kann helfen, deine Gedanken zu ordnen.

Fazit: Gut vorbereitet ist halb gepilgert

Die Vorbereitung auf einen Pilgerweg ist selbst schon Teil der Reise. Mit jedem Trainingskilometer, jeder Probewanderung und jedem Gedanken, den du dir machst, kommst du deinem Ziel näher.

Vertraue auf dich selbst. Tausende Menschen vor dir haben diesen Weg geschafft – und du wirst es auch schaffen. Die beste Vorbereitung ist die, die dich mit einem guten Gefühl starten lässt.

Buen Camino! Der Weg wartet auf dich. Und er wird dir genau das geben, was du brauchst.

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