Über den Camino Aragónés
Der Camino Aragonés ist eine der ältesten und weniger frequentierten Pilgerrouten des Jakobswegenetzes. Er beginnt am Somportpass (1.632 m) an der französisch-spanischen Grenze und führt in 6 Etappen über 170 Kilometer durch die atemberaubende Bergwelt der Pyrenäen nach Puente la Reina in Navarra, wo er sich mit dem Camino Francés vereint. Der Weg folgt teilweise dem historischen Verlauf der Via Tolosana und wird von Pilgern vor allem wegen seiner Einsamkeit, der beeindruckenden Naturlandschaft und der Nähe zum Rio Aragonés geschätzt.
Die Route durchquert die Provinzen Huesca, Zaragoza und Navarra und verbindet mittelalterliche Dörfer wie Jaca, Arrés, Ruesta und Sangüesa mit bedeutenden romanischen Klöstern, darunter San Juan de la Peña und Santa Cruz de la Serós. Mit großen Höhenunterschieden und wenigen Pilgern ganzjährig bietet der Aragonesische Weg eine authentische und anspruchsvolle Alternative zum überlaufenen französischen Hauptweg. Historisch folgt der Weg antiken Römerstraßen und wurde von Pilgern aus Nordostfrankreich und Italien genutzt, um die Pyrenäen zu überqueren.
Heute ist er ein Geheimtipp für erfahrene Pilger, die Ruhe, Natur und kulturelle Tiefe suchen.
Beste Reisezeit
Wärmere, stabilere Witterung ohne die Hitze des Hochsommers; Schneefreiheit auf dem Somport und angenehme Temperaturen für die Höhenmeter rund um San Juan de la Peña; außerhalb der Sommerferien deutlich weniger Pilger und geöffnete Herbergen/Restaurants in den Dörfern.
Meiden: Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze auf den offenen Hochebenen und Winterzeit (Dezember–März) wegen möglicher Schneereste am Col du Somport und geschlossenen Services.
Klima
Highlights
Somportpass – Grenzübergang in den Pyrenäen
Der 1.632 Meter hohe Pass markiert den Startpunkt und einen der ältesten Pyrenäenübergänge zwischen Frankreich und Spanien. Von hier aus eröffnet sich eine herrliche Aussicht in das aragonesische Tal.
Rio Aragonés – Flussbegleiter des Weges
Der blaugrüne Fluss begleitet den Pilger über weite Strecken und schafft eine wunderbare Verbindung zur Natur. Mehrfach führt der Weg direkt am Ufer entlang.
Kloster San Juan de la Peña
Eines der bedeutendsten Klöster Spaniens liegt dramatisch in eine Felswand gebaut und ist ein Abstecher vom Hauptweg wert. Es beherbergt reiche kunsthistorische Schätze.
Templerkirche Santa María de Eunate
Die achteckige romanische Kirche steht einsam in der Landschaft kurz vor Puente la Reina und ist architektonisch einzigartig. Sie ist ein Kleinod am Jakobsweg.
Mittelalterliche Dörfer – Arrés und Ruesta
Diese authentischen Bergdörfer zeigen traditionelle aragonesische Architektur und bieten Einblick in das ländliche Leben. Arrés thront malerisch auf einem Hügel.
Pyrenäen-Berglandschaft
Die Route durchquert die ruhige und wunderschöne Bergwelt mit großen Höhenunterschieden, dichten Wäldern und weiten Ausblicken. Besonders die Selva de Oza bietet unberührte Naturerlebnisse.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Camino Aragónés entstand als Pilger- und Heerstraße entlang einer bereits in der römischen Kaiserzeit genutzten Verkehrsachse, über die Erze aus Nordwestspanien nach Gallien transportiert wurden. Seit dem 10. Jahrhundert sind Pilger belegt, die aus Frankreich, Deutschland und Italien über den Somport-Pass nach Jaca zogen, um von dort weiter nach Santiago de Compostela zu pilgern. Einen entscheidenden Impuls erhielt der Weg zu Beginn des 11. Jahrhunderts, als Sancho III. „el Mayor“ von Navarra (Regierungszeit 1004–1035) die alten Römerstraßen ausbessern ließ, um sowohl militärische Feldzüge gegen muslimische Gebiete als auch den Verkehr über die Pyrenäen zu erleichtern. Im 11. Jahrhundert förderten die Könige von Aragón systematisch den Ausbau von Straßen, Brücken und Herbergen sowie die Route über den Somport-Pass, sodass sich die Pilgerachse entlang des Río Aragón als aragonischer Zubringer des Jakobswegs etablierte.
Bedeutung
Im Hochmittelalter wurde der Camino Aragónés, als Fortsetzung der französischen Via Tolosana ab Arles, zu einer der wichtigsten Hauptrouten nach Santiago und war zeitweise der am stärksten frequentierte Pilgerweg über die Pyrenäen. Die Pilgerbewegung nach der Entdeckung des Apostelgrabes im 9. Jahrhundert und die wachsende Jakobusverehrung im 11. und 12. Jahrhundert machten Jaca, San Juan de la Peña und zahlreiche Dörfer im Aragón-Tal zu Zentren von Kirchenbau, Klostergründungen und romanischer Kunst. 1077 verlieh König Sancho Ramírez Jaca ein bedeutendes Stadtrecht mit Steuererleichterungen und Freiheiten, um Siedler – besonders Franken – anzuziehen; dieses Modell wurde auf andere Orte am Weg übertragen und förderte Handel, Märkte und die Entstehung wohlhabender Pilgerstädte. Neben anonymen Pilgermassen sind im 17. Jahrhundert auch hochadelige Pilger wie die österreichische Prinzessin Teresa Bibiana de Lasterenberg (1697 in Canfranc bezeugt) über diese Route dokumentiert, was den über Jahrhunderte anhaltenden Rang des Weges als geistliche und gesellschaftliche Bühne zeigt.
Heute
Nach dem Niedergang im 18. und frühen 19. Jahrhundert, beschleunigt durch die Zerstörung des großen Pilgerhospitals Santa Cristina am Somport im Jahr 1808, geriet der Camino Aragónés lange in Vergessenheit. Seit dem späten 20. Jahrhundert – im Zuge der allgemeinen Renaissance des Jakobswegs nach der Heiligsprechung des Jakobusjahres 1982 und der Anerkennung der „Wege nach Santiago in Spanien“ als UNESCO-Welterbe (1993, Erweiterung 2015) – wird der aragonische Zweig wieder markiert, ausgebaut und von mehreren Tausend Pilgern pro Jahr als ruhigere, landschaftlich eindringliche Alternative zum Hauptstrom des Camino Francés genutzt. Heute suchen viele moderne Pilger auf dem Camino Aragónés weniger mittelalterliche Ablässe als vielmehr Stille, Naturerfahrung und eine spirituelle Innenschau, die sich mit der jahrhundertealten Tradition des Unterwegsseins zwischen Somport und Puente la Reina verbindet.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprachen: Spanisch, Aragonés, Baskisch (Navarra) Nützliche Phrasen: - "Buen Camino" — Typischer Pilgergruß - "¿Dónde está el albergue de peregrinos?" — Wo ist die Pilgerherberge? - "Un menú del peregrino, por favor" — Ein Pilgermenü, bitte - "Muchas gracias, ha estado muy rico" — Vielen Dank, es war sehr lecker
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Spätfrühling (Mai–Anfang Juni) oder Frühherbst (September–Anfang Oktober)
Wärmere, stabilere Witterung ohne die Hitze des Hochsommers; Schneefreiheit auf dem Somport und angenehme Temperaturen für die Höhenmeter rund um San Juan de la Peña; außerhalb der Sommerferien deutlich weniger Pilger und geöffnete Herbergen/Restaurants in den Dörfern.
Meiden
Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze auf den offenen Hochebenen und Winterzeit (Dezember–März) wegen möglicher Schneereste am Col du Somport und geschlossenen Services.
Highlights
Col du Somport / Grenze Pyrenäen
Startpunkt mit Bergpanorama und historischer Grenzpass-Situation; markiert Übergang Frankreich ↔ Spanien und alpine Landschaft der ersten Etappen.
Etappe 1: Somport → Canfranc / Jaca
Monasterio de San Juan de la Peña (Kloster unter Felsvorsprung)
Beeindruckende romanische Klosteranlage unmittelbar unter einem Felsvorsprung; historisch bedeutend und Panorama-Balkon (Balcón de los Pirineos) in der Umgebung.
Etappe Jaca → San Juan de la Peña / weiter Richtung Arrés
Iglesia de Santa María de Eunate & Puente la Reina
Die achteckige Templerkirche Eunate und die Brücke von Puente la Reina sind die kulturellen Endpunkte des Camino Aragones vor dem Anschluss an den Camino Francés.
letzte Etappe: kurz vor Puente la Reina / Ankunftsbereich
Lokale Küche
Chiretas (aragonische Lamm‑/Innereienrolle)
Viele Bars/Restaurants in Jaca (z. B. Bar Restaurante La Cadiera oder Casa Federico) bieten traditionelle Chiretas frisch zubereitet.
In Jaca nach ‚cocina tradicional aragonesa‘ fragen; Chiretas werden dort oft als Menü des Tages serviert.
Ternasco de Aragón (Lamm)
Empfehlung: Asador/Restaurante in Sangüesa oder in Monreal (lokale Mesóns entlang der Hauptroute).
Als Abendessen nach langer Etappe bestellen — viele Lokale bieten Ternasco als Tagesgericht mit regionalem Wein.
Bocados und Pintxos in Puente la Reina / Sangüesa
Tapas-Bars in Puente la Reina (im Zentrum nahe der Brücke) und Sangüesa Plaza-Umgebung.
Am Ziel in Puente la Reina mehrere kleine Pintxo‑Lokale vergleichen; ideal nach Ankunft auf dem Camino Francés.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Albergues municipales und private Hostales in Ortschaften
- Vereinzelt Bergrefugios / einfache Herbergen auf frühen Etappen
- Hotels und Pensionen in Städten wie Jaca
Wegmarkierung
Gut markiert mit Muschelsymbolen und gelben Pfeilen; in einigen Gebieten sind lokale Markierungen seltener, GPS/GPX empfohlen.
Geländebeschaffenheit
- bergig mit Passübergängen
- Schotter- und Forstwege
- kurze Asphaltabschnitte in Ortschaften
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.