Über den Camino Aragonés (Somport–Puente la Reina)
Der Camino Castellano-Aragonés ist eine weniger bekannte, aber außergewöhnlich vielfältige Route, die Burgos mit Jaca verbindet und dabei zwei völlig unterschiedliche Landschaften durchquert. Beginnend auf der kastilischen Hochebene mit ihren endlosen Horizonten und Getreidespeichern führt dieser 325 km lange Weg allmählich in die voralpinen Ausläufer der Pyrenäen, wobei er dabei durch romanische Klöster, mittelalterliche Dörfer und die Bergketten der Sierra de la Demanda führt.
Im Gegensatz zu den überlaufenen nördlichen Routen bleibt dieser Weg authentisch und weniger touristisch, was Pilgern eine tiefere Begegnung mit der ländlichen spanischen Kultur ermöglicht. Die Route verbindet christliche Spiritualität mit geologischer Dramatik: Während die ersten Etappen durch stille Ebenen führen, wo Kirchen und Klöster als einzige Orientierungspunkte dienen, offenbaren sich später Panoramen der Sierra de la Demanda und schließlich die nahen Pyrenäen mit ihren steilen Auf- und Abstiegen.
Die Wegmarkierung ist teilweise lückenhaft, was den Weg für erfahrene Pilger zu einer echten Herausforderung macht, bei der Karten und GPS-Geräte unverzichtbar sind. Mit mittlerer Schwierigkeit, längeren Tagesetappen und technisch anspruchsvollen Bergpassagen ist dieser Camino für Pilger gedacht, die Ausdauer, Trittsicherheit und die Fähigkeit zur Selbstnavigation mitbringen.
Beste Reisezeit
Weniger Hitze bei Aufstiegen wie Jaca-San Juan de la Peña (vermeidet 30 Grad), Pyrenäen schneefrei, weniger Pilger für Ruhe.
Meiden: Sommer (Juni-August) wegen extremer Hitze in Bergen
Klima
Highlights
Burgos - Kathedrale und Ausgangspunkt
Die gotische Kathedrale von Burgos, eine der größten und prächtigsten Spaniens, ist das geistige Tor zu diesem Pilgerweg. Mit ihren charakteristischen doppelten Spitzentürmen aus dem 15. Jahrhundert und dem kunstvollen Filigran ihrer Fassade symbolisiert sie den Beginn einer spirituellen Reise durch Kastilien. Viele Pilger beginnen ihre Route mit einer stillen Moment im Inneren dieser UNESCO-Weltkulturerbe.
Monasterio de San Juan de la Peña
Dieses spektakulär in eine Felswand eingebaute Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert ist ein Meisterwerk der romanischen Architektur und liegt malerisch an den Ausläufern der Pyrenäen. Das Kloster beherbergte einst die Reliquien des heiligen Johannes und war ein wichtiges Pilgerziel. Die Lage des Klosters direkt unter einem massiven Felsdach bietet nicht nur spirituelle Tiefe, sondern auch atemberaubende Ausblicke auf das Irati-Tal.
Sierra de la Demanda - Berglandschaft
Diese Bergkette markiert den Übergang von der flachen Hochebene zu den voralpinen Regionen und bietet Pilgern spektakuläre Panoramen über mehrere Etappen hinweg. Die Sierra de la Demanda ist bekannt für ihre grünen Wälder, Bergquellen und die charakteristische Vegetation der nördlichen Meseta. An klaren Tagen können Pilger von den höheren Passagen aus die fernen Pyrenäen erblicken.
Jaca - Mittelalterliche Grenzstadt
Jaca war im Mittelalter ein wichtiger Grenzposten zwischen dem christlichen Königreich Aragonien und den maurischen Territorien und ist heute eine charmante Stadt auf 815 Metern Höhe. Die Kathedrale von Jaca, eine der ältesten romanischen Kirchen Spaniens aus dem 11. Jahrhundert, prägt das Stadtbild. Mit ihrer Zitadel und den gepflasterten Straßen verkörpert Jaca die strategische und kulturelle Bedeutung dieser Region während der Reconquista.
Sangüesa - Romanische Architektur und Flusslandschaft
Diese mittelalterliche Stadt an den Ufern des Río Aragón ist berühmt für ihre Iglesia de Santa María la Real mit ihrer kunstvollen romanischen Westfassade aus dem 12. Jahrhundert, die detaillierte biblische Szenen darstellt. Die Stadt war ein bedeutender Halt auf den Jakobswegen und behielt ihre mittelalterliche Struktur mit engen Gassen und alten Pilgerhospizen. Der Fluss Aragón begleitet Pilger über große Teile dieser Route und schafft grüne Oasen in der sonst trockenen Landschaft.
Somport-Pass - Grenze zwischen Welten
Der Somport-Pass auf 1.632 Metern Höhe markiert die Grenze zwischen Spanien und Frankreich und ist der Endpunkt des Camino Aragonés, wo dieser Weg in den Camino Francés mündet. Der Pass ist eine dramatische geografische Schwelle, wo die Pyrenäen in ihrer ganzen Majestät erlebbar werden. Von hier aus können Pilger bei klarem Wetter weit in beide Länder blicken.
Ermita de Santa María de Eunate
Diese romanische Einsiedlerkapelle aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem charakteristischen achteckigen Grundriss liegt abseits der Hauptroute zwischen Enériz und Obanos und ist ein architektonisches Juwel. Die Kapelle war ein wichtiger Rastplatz für Pilger und wird von einem Arkadengang umgeben, der Schutz und spirituelle Zuflucht bot. Ihre isolierte Lage in der Landschaft macht sie zu einem Ort der inneren Einkehr.
Puente la Reina - Vereinigung der Wege
Diese historische Stadt ist der Knotenpunkt, wo der Camino Aragonés in den berühmteren Camino Francés mündet und wo sich tausende Pilger aus verschiedenen Richtungen treffen. Die Puente la Reina, eine elfbogige romanische Brücke aus dem 11. Jahrhundert, symbolisiert diese Vereinigung und ist eines der ikonischsten Bauwerke des Jakobsweges. Ab hier beginnt der letzte, intensivere Abschnitt nach Santiago de Compostela.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Camino Castellano-Aragonés, meist als **Camino Aragonés** bezeichnet, folgt einer uralten Verkehrsachse über den Somport-Pass, der bereits von Kelten und Römern genutzt wurde und in römischer Zeit als Summus Portus Teil eines Straßennetzes für den Erztransport aus Las Médulas nach Gallien und Italien war. Seit dem **10. Jahrhundert** sind hier Pilger aus Frankreich, Deutschland und Italien belegt, die über Somport nach Jaca und weiter nach Westen zogen. Um **1004–1035** ließ Sancho III. „el Mayor“ von Navarra die alten Römerstraßen instand setzen, um sowohl militärische Operationen gegen die Muslime als auch die zunehmende Pilgerbewegung effizienter zu machen. Spätestens mit der Erwähnung des Hospizes Santa Cristina am Somport im Jahr **1078** und der Beschreibung der Via Tolosana im Codex Calixtinus (Buch V, frühes 12. Jahrhundert) war der Camino Castellano-Aragonés als Jakobsweg-Route fest etabliert.
Bedeutung
Im **Hochmittelalter** entwickelte sich der Camino Aragonés zur bedeutendsten Pyrenäenroute für Pilger aus Südfrankreich, dem Reich der Franken und Mitteleuropa, die über Arles und die Via Tolosana nach Somport und weiter nach Puente la Reina zogen. Der Weg förderte den Aufbau von Klöstern, Hospizen und Bruderschaften – etwa rund um Jaca und das Monasterio de San Juan de la Peña –, was romanische Architektur, Bildhauerei und Pilgerikonografie entlang der Route prägte. Zugleich wurde diese Achse zu einem wichtigen **Handels- und Militärkorridor**: Zolllisten aus Jaca des späten 11. Jahrhunderts nennen Tuche aus Brügge, Seide aus Konstantinopel, Purpur, Metalle, Gewürze und Goldmünzen muslimischer Herkunft – nur Pilger waren zollfrei, was ihre besondere religiöse Rolle unterstreicht. Spirituell war der Weg eingebettet in die wachsende Verehrung des Apostels Jakobus seit der Entdeckung des Grabes um 820 und wurde im Codex Calixtinus auch literarisch überliefert; mit Figuren wie König Sancho III. und dem Pilgerautor Aimery Picaud (Buch V, 12. Jh.) sind konkrete Persönlichkeiten mit seiner Geschichte verbunden.
Heute
Heute wird der Camino Castellano-Aragonés als vergleichsweise stiller und „vergessener“ Jakobsweg geschätzt, dessen Pilgerzahlen deutlich unter denen des stark frequentierten Camino Francés liegen, aber seit der allgemeinen Renaissance der Jakobswege seit den **1980er/1990er-Jahren** langsam wachsen. Der Weg beginnt in Somport und verbindet sich in Puente la Reina mit dem Camino Francés; als Teil der „Caminos de Santiago de Compostela“ ist er in den großräumigen europäischen Kultur- und Pilgerkontext eingebettet, wobei vor allem die landschaftliche Einsamkeit, die romanische Kunst und das Erleben eines älteren, authentisch wirkenden Pilgergeistes moderne Pilger motivieren. Während die Kernroute nicht als eigenständiger Abschnitt ausgezeichnetes UNESCO-Welterbe ist, profitiert sie vom Status der Jakobswege in Spanien und Frankreich als Weltkulturerbe und vom erneuten Interesse an spiritueller Suche, Entschleunigung und historischer Kontemplation.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprachen: Spanisch (Castellano), in Jaca auch Aragones regional. Nützliche Phrasen: - "¿Hay menú del peregrino?" – Gibt es ein Pilgermenü? - "¿Dónde está el albergue de peregrinos?" – Wo ist die Pilgerherberge? - "Un cortado, por favor" – Ein Espresso mit etwas Milch, bitte. - "Buen camino" – Gute Pilgerreise.
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Frühling (April-Mai) oder Herbst (September-Oktober)
Weniger Hitze bei Aufstiegen wie Jaca-San Juan de la Peña (vermeidet 30 Grad), Pyrenäen schneefrei, weniger Pilger für Ruhe.
Meiden
Sommer (Juni-August) wegen extremer Hitze in Bergen
Highlights
Monasterio de San Juan de la Peña
Kloster unter Felsvorsprung, Ort wo Heiliger Gral versteckt war, mit sehenswertem Kreuzgang
Etappe Jaca-Arrés / San Juan de la Peña
Santa Maria de Eunate
Achteckige Templerkirche mitten im Feld
Etappe Monreal-Puente la Reina / vor Puente la Reina
Puente la Reina Brücke
Schönste Brücken Spaniens über Rio Arga, Vereinigung mit Camino Francés
Etappe 6 / Puente la Reina
Lokale Küche
Regionale aragonesische Spezialitäten
Jaca Altstadt
Nach Ankunft in Jaca in Altstadt genießen neben Kathedrale und Zitadelle
Lokale Küche in mittelalterlichen Dörfern
Puente la Reina de Jaca
In Puente la Reina de Jaca bei beeindruckender Brücke probieren
Aragonesische Gerichte
Sangüesa
Nach Etappe in Sangüesa nach Ankunft im Flusstal essen
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen (albergues) in größeren Orten
- Rurale Hostales und kleine Hotels in Dörfern
- Gästehäuser (casas rurales) für Reservierung in Nebenzeiten
Wegmarkierung
Teilweise markiert; in den meisten Abschnitten finden sich lokale Markierungen und gelegentlich Muschelsymbole oder gelbe Pfeile. In ländlichen bzw. bergigen Abschnitten sind Karten/GPS notwendig.
Geländebeschaffenheit
- weite landwirtschaftliche Ebenen und Hügellandschaften
- waldige Abschnitte und unbefestigte Feldwege
- steilere Anstiege in voralpinen Bereichen / Passübergänge
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.