Über den Camino Inglés
Der Camino Inglés ist eine der ältesten und authentischsten Routen des Jakobswegs, die direkt in die maritime Geschichte Europas führt. Vom Hafen Ferrol aus, wo einst Tausende von Pilgern aus Skandinavien, Flandern und dem Vereinigten Königreich an Land gingen, führt dieser 120 Kilometer lange Weg durch die windgepeitschten Küsten Galiciens bis nach Santiago de Compostela.
Im Gegensatz zu den überlaufenen Hauptrouten des Camino Francés bietet der Camino Inglés eine intimere Erfahrung: Sie wandern durch kleine mittelalterliche Hafenstädte wie Pontedeume und Betanzos, wo die Geschichte in jeder Gasse spürbar ist, und folgen dabei den gleichen Pfaden, die Pilger seit über einem Jahrtausend beschreiten. Die Route wechselt zwischen wilden Küstenpfaden mit Blick auf die Ría de Betanzos, grünen Feldwegen durch galicische Agrarlandschaften und charmanten Dorfstraßen, die von gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln gekennzeichnet sind.
Was diesen Weg einzigartig macht, ist die Verbindung von See- und Landschaftserlebnis: Sie erleben nicht nur die spirituelle Dimension der Pilgerfahrt, sondern auch die materielle Kultur der galicischen Küstenregion, ihre Fischerdörfer, ihre Architektur und ihre tiefe Verwurzelung in der christlichen Tradition. Mit einer Dauer von 4-6 Tagen und mittlerem Schwierigkeitsgrad ist der Camino Inglés ideal für Pilger, die eine kompakte, kulturreiche Strecke suchen, ohne dabei auf die transformative Kraft einer echten Pilgerreise verzichten zu wollen.
Beste Reisezeit
Frühling bis frühsommerliche Monate bieten milde Temperaturen, blühende Küstenabschnitte und geringere Niederschlagswahrscheinlichkeit als Herbst/Winter; September vermeidet Hochsaison und hat angenehme Meeresnähe ohne die stärksten Sommerhitze- und Touristenmengen.
Meiden: Dezember bis Februar (hohe Niederschlagsraten und stürmische Küste) sowie Juli/August, wenn Touristenandrang an Küstenorten und Unterkünfte stärker ist.
Klima
Highlights
Ferrol - Ausgangspunkt der Seepilger
Die Hafenstadt Ferrol war seit dem Mittelalter ein zentraler Ankunftshafen für nordeuropäische Pilger, die auf dem Seeweg kamen. Die Stadt bewahrt ihre maritime Architektur und die historische Bedeutung als Tor zum Jakobsweg. Besuchen Sie die Altstadt mit ihren engen Gassen und dem Hafen, wo die Pilgerfahrt beginnt.
Pontedeume - Die Brückenstadt
Pontedeume ist eine der schönsten mittelalterlichen Hafenstädte Galiciens mit ihrer charakteristischen Brücke über den Fluss Eume. Die Stadt bietet spektakuläre Ausblicke auf die Ría de Ferrol und ist bekannt für ihre gut erhaltene Altstadt mit Palästen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die erste Etappe endet hier nach 27,7 km und bietet einen perfekten Ort zum Verweilen.
Betanzos - Die Stadt der Ritter
Betanzos, auch als 'Cidade dos Cabaleiros' (Stadt der Ritter) bekannt, ist ein mittelalterliches Juwel mit gotischer Architektur und engen, verwinkelten Gassen. Die Stadt wurde im 14. Jahrhundert gegründet und bewahrt ihre ursprüngliche Struktur mit mehreren Kirchen und Palästen. Das Estuario des Río Lambre bietet herrliche Ausblicke auf die Feuchtgebiete und die Ría de Betanzos.
Ría de Betanzos - Naturschutzgebiet mit Meerescharakter
Diese Flussmündung mit ihren Feuchtgebieten und Vogelbeobachtungsmöglichkeiten ist ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Der Weg führt entlang dieser wilden Küstenlandschaft, wo Sie Möwen, Kormorane und je nach Jahreszeit Zugvögel beobachten können. Die salzigen Winde und das Rauschen der Wellen begleiten Sie während dieser magischen Etappe.
Hospital de Bruma - Schnittpunkt der zwei Camino-Inglés-Routen
In Hospital de Bruma treffen sich die beiden Varianten des Camino Inglés (von Ferrol und von A Coruña) zusammen. Dieser Ort markiert den Übergang von der Küstenroute zur Binnenroute und war historisch ein wichtiger Rastplatz für Pilger. Von hier aus führen die letzten 40-48 km gemeinsam nach Santiago de Compostela.
Grüne Hügel und galicische Landschaft
Nach Hospital de Bruma durchquert der Weg die sanften, üppig grünen Hügel des galicischen Binnenlandes mit Feldern, Wäldern und traditionellen Dorfstrukturen. Diese Etappen sind weniger anspruchsvoll und bieten eine meditative Erfahrung durch die ländliche Galicia mit ihren charakteristischen Granithäusern und Steinwegen.
Sigüeiro - Letzte Etappe vor Santiago
Sigüeiro ist die letzte bedeutende Ortschaft vor Santiago de Compostela. Die abschließende Etappe von hier zur Kathedrale ist nur 15,7 km lang und führt durch die Vororte Santiagos. Dies ist der emotionale Höhepunkt der Reise, wenn die Pilgerin oder der Pilger sich der heiligen Stadt nähert.
Kloster San Martín de Xubia - Historischer Wegpunkt
Bereits in der ersten Etappe passieren Pilger das Kloster San Martín de Xubia aus dem 18. Jahrhundert, das die lange Tradition der Pilgerbetreuung in dieser Region symbolisiert. Das Kloster steht als stilles Zeugnis der jahrhundertelangen Unterstützung durch religiöse Gemeinschaften.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Camino Inglés entstand im 12. Jahrhundert als Pilgerroute für Gläubige aus England, Irland, Schottland und Skandinavien, die per Schiff an der galicischen Küste landeten. Ein Schlüsselmoment war das Jahr 1147, als eine Flotte englischer, deutscher und flämischer Kreuzfahrer in A Coruña/Ferrol anlegte, um das Grab des heiligen Jakobus zu besuchen, bevor sie weiter ins Heilige Land zogen und an der Eroberung Lissabons teilnahmen. In den folgenden Jahrzehnten verfestigte sich dieser See-Land-Korridor: Handelsschiffe nahmen Pilger mit, die in Ferrol oder A Coruña ausschifften und die letzten gut 70–120 km zu Fuß nach Santiago zurücklegten. Archäologische Funde wie englische Münzen und Keramik aus dem 14. und 15. Jahrhundert in Santiago belegen die dauerhafte Nutzung dieser Route im Spätmittelalter.
Bedeutung
Im Hochmittelalter war der Camino Inglés ein wichtiges Bindeglied zwischen den nordeuropäischen Insel- und Ostseeregionen und dem wachsenden Jakobuskult in Santiago, der seit dem 11. Jahrhundert zu einem der drei großen christlichen Pilgerziele neben Rom und Jerusalem aufstieg. Der Weg förderte nicht nur die Frömmigkeit, sondern auch den Austausch von Waren, Kunstformen und Bautechniken: Seefahrer- und Händlernetzwerke verbanden die Häfen Englands, Flanderns und Skandinaviens mit den galicischen Küstenstädten, wo sich gotische, romanische und später barocke Elemente in Kirchen, Hospitälern und Bruderschaftshäusern niederschlugen. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die mit dieser Route verbunden sind, gehört der isländische Mönch Nicolás Bergsson, der in den Jahren 1154–1159 eine außergewöhnliche Pilgerreise von Island über Santiago bis nach Rom unternahm und sie schriftlich überlieferte. Im 14. und 15. Jahrhundert gewann der Camino Inglés besonders während des Hundertjährigen Krieges an Bedeutung, weil viele britische Pilger die unsicheren Landwege durch Frankreich mieden und direkt über den Atlantik nach Galicien reisten.
Heute
Nach einem starken Einbruch der englischen und nordischen Pilgerzahlen infolge der Reformation und des Bruchs Heinrichs VIII. mit Rom (1509–1547) geriet der Camino Inglés über Jahrhunderte weitgehend in Vergessenheit. Seit dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert erlebt er jedoch eine deutliche Renaissance: Regionalbehörden markierten und restaurierten die Route neu, und heute wählen jedes Jahr mehrere Tausend Pilger – vor allem aus Europa und Übersee – diesen vergleichsweise kurzen, aber intensiven Weg; er ist Teil des Jakobsweg-Systems, dessen Hauptrouten in Spanien seit 1993/1998 als UNESCO-Welterbe geschützt sind. Moderne Pilger lassen sich von der historischen Verbindung zwischen Meer und Glauben, der stillen Landschaft Galiciens und der Möglichkeit anziehen, in wenigen Tagen einen authentischen, traditionsreichen Jakobsweg mit stark spirituellem Charakter zu erleben.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache ist Galicisch (galego), daneben Spanisch (castellano). Nützliche Phrasen: - «Bo camiño!» – Gute Reise auf dem Weg! - «Un viño e unha tapa, por favor.» – Einen Wein und eine kleine Speise, bitte. - «Onde está o albergue de peregrinos?» – Wo ist die Pilgerherberge? - «Un selo para a credencial, por favor.» – Einen Stempel für den Pilgerausweis, bitte.
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Ende April bis Mitte Juni und September
Frühling bis frühsommerliche Monate bieten milde Temperaturen, blühende Küstenabschnitte und geringere Niederschlagswahrscheinlichkeit als Herbst/Winter; September vermeidet Hochsaison und hat angenehme Meeresnähe ohne die stärksten Sommerhitze- und Touristenmengen.
Meiden
Dezember bis Februar (hohe Niederschlagsraten und stürmische Küste) sowie Juli/August, wenn Touristenandrang an Küstenorten und Unterkünfte stärker ist.
Highlights
Barrio de A Magdalena (Ferrol)
Historisches, planmäßig angelegtes Stadtviertel aus dem 18. Jahrhundert mit typischer Ferrol-Architektur; guter Auftakt vor dem Start und nahe an Stempelstellen/Services.
Etappe 1 / Ferrol
Ponte de Pedra und Altstadt von Pontedeume
Mittelalterliche Brücke (Ponte de Pedra) und gut erhaltene Altstadt mit Kirchen (San Martiño) — beliebter Fotostopp an der Ría de Betanzos.
Etappe 2 / Pontedeume
Historisches Zentrum von Betanzos
Plaza Mayor, Kirchen und die regional berühmt en Süßspeisen (Tortas); kulturelles Zentrum des Camino Inglés und häufig bevorzugter Ruhetag.
Etappe 3 / Betanzos
Lokale Küche
Pulpo a la Gallega (Oktopus)
Mesón O Cruce (Betanzos) oder Pulpería in Pontedeume
In Betanzos nach der Ankunft Plätze rund um die Plaza und die Barrios suchen — lokale Pulpeiros servieren es traditionell mit Paprika und grobem Salz; ideal nach Etappe 3 zur Energiewiederherstellung.
Tortas de Betanzos (lokales Gebäck)
Pastelería in der Altstadt von Betanzos (z. B. Confitería Casa Lores oder lokale Bäckereien an der Plaza)
Als süßer Zwischenstopp vor oder nach dem Stadtrundgang in Betanzos; Pilger stempeln oft in der Kirche und gönnen sich diese Spezialität zur Stärkung.
Fisch und Meeresfrüchte an der Ría (z. B. in Miño/Playa Grande)
Restaurante an der Playa Grande / Hafenlokale in Pontedeume
Frisch gefangene Ría-Spezialitäten am Nachmittag einplanen; viele Lokale bieten Pilgermenüs mit Meeresfrüchten an — gute Option nach der Küstenetappe zwischen Ferrol und Pontedeume.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- öffentliche und private Albergues (Pilgerherbergen)
- Pensionen und kleine Hotels in Ferrol, Pontedeume, Betanzos und Santiago
- einige Ferienwohnungen in Küstenorten
Wegmarkierung
Meist mit gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln markiert; in Ortschaften manchmal unübersichtlich, besonders bei Umleitungen nach Regen.
Geländebeschaffenheit
- Küstenpfade und Sandstrände
- Schotter- und Feldwege
- asphaltierte Nebenstraßen
- kurze steilere Anstiege und Treppenabschnitte
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.