Über den Cammino Jacopeo d'Anaunia
Der Cammino Jacopeo d'Anaunia ist kein beliebiger Jakobsweg, sondern eine historisch gewachsene Pilgerroute durch das Nonstal (Val di Non), die seit 2007 wieder systematisch markiert und begangen wird. Auf etwa 180 Kilometern verbindet dieser Weg die Basilika der Heiligen Märtyrer von Sanzeno – dem religiösen Zentrum des Tales – mit dem Eremitage von San Romedio, einem auf einem 99 Meter hohen Felsvorsprung thronenden Heiligtum. Die Route folgt teilweise antiken Verbindungswegen zwischen kleinen Dörfern und führt durch eine Landschaft, die von Apfelhainen, Wäldern, Almwiesen und markanten Bergsilhouetten geprägt ist.
Was diesen Weg einzigartig macht, ist die Verschmelzung von persönlicher Spiritualität mit konkreter Regionalgeschichte: Pilger wandeln auf den Spuren des heiligen Romedio, eines wohlhabenden Einsiedlers, der sich von seinem Besitz trennte und sein Leben Gott und der Natur widmete – eine Geschichte, die bis heute in den Kirchen und Kapellen des Tales lebendig ist. Die Etappen führen vorbei an romanischen Kirchen mit mittelalterlichen Fresken (wie die Chiesa di San Marcello in Dardine), über historische Steinbrücken wie die legendenumwobene Ponte dela Mula und durch charakteristische Dörfer wie Tassullo, Nanno und Tuenno. Unterwegs begegnen Pilger nicht nur der alpinen Schönheit südlich der Dolomiten, sondern auch einer gelebten Kultur: rustikale Agriturismi bieten regionale Küche, lokale Wegkenntnis ist oft nötig, und die gelbe Muschel – das Erkennungszeichen – weist durch ein Tal, das seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt hat.
Dies ist eine Route für jene, die Wandern, Geschichte und Spiritualität in einer spezifischen, weniger touristischen Landschaft suchen.
Beste Reisezeit
Milde Temperaturen, blühende Obstplantagen im Val di Non und gute Wegverhältnisse auf unbefestigten Abschnitten; geringeres Gewitter- und Schneerisiko als im Hochsommer bzw. Winter, bessere Öffnungszeiten von Kirchen/Heiligtümern und Kiosken (z. B. San Romedio).
Meiden: Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze und Ferienverkehr in Dörfern; Wintermonate wegen Schnee auf höher gelegenen Varianten und geschlossenen Einrichtungen vermeiden.
Klima
Highlights
Basilika der Heiligen Märtyrer von Sanzeno
Der spirituelle Ausgangspunkt des Cammino Jacopeo d'Anaunia, wo die Pilgerreise beginnt. Diese Basilika ist der wichtigste christliche Ort im Nonstal und beherbergt die Reliquien der heiligen Märtyrer, die dem Tal seinen Namen gaben. Der Besuch hier setzt den Ton für die spirituelle Dimension der gesamten Route.
Sanzeno
Eremitage San Romedio
Das finale Ziel des Weges: ein dramatisch auf einem 99 Meter hohen Felsvorsprung über der Schlucht des San Romedio Flusses gelegenes Heiligtum. Die Wallfahrtskirche symbolisiert die menschliche Erfahrung des Pilgers und Einsiedlers Romedio, der hier sein Leben der Kontemplation widmete. Der Ort bietet sowohl spirituelle Tiefe als auch atemberaubende Ausblicke ins Nonstal.
San Romedio
Chiesa di San Marcello in Dardine
Eine wunderschöne mittelalterliche Kirche mit wertvollen Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Der Künstlerwert dieser Kapelle macht sie zu einem kulturellen Juwel entlang der Route und zeigt die künstlerische Tradition des Tales.
Dardine
Ponte dela Mula
Die älteste und faszinierendste Brücke der Region, die mit einem charakteristischen Steinbogen den Fluss San Romedio überquert. Eine Legende rankt sich um diesen Ort: Der Baron von Cles soll auf seinem Maultier von wütenden Bauern verfolgt worden sein und flüchtete über diese Brücke. Architektonisch und legendär ein Höhepunkt.
San Romedio Schlucht
Castel Nanno
Ein historisches Schloss auf einem Hügel mit Informationen zu seiner Geschichte und Bedeutung. Von hier aus bieten sich wunderbare Blicke über das Val di Non, die Apfelhainen und die Bergsilhouetten der Brenta.
Nanno
Pieve di Torra
Eine Pfarrkirche, auf deren Platz sich ein umfassender Blick ins untere und mittlere Nonstal bietet. Von hier aus können Pilger weite Anbauflächen, Dörfer und Burgen unterscheiden – ein Ort für Orientierung und Kontemplation.
Torra
Apfelhainen und Almwiesen des Val di Non
Die charakteristische Landschaft des Tales mit ausgedehnten Obstgärten und alpinen Wiesen. Diese Landschaft prägt die tägliche Wandererfahrung und zeigt die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Natur im Nonstal – ein lebendiges Zeugnis regionaler Tradition.
Gesamtes Tal
Chiesa dell'Immacolata e di San Zenone in Rallo
Eine der 'Tesori d'Anaunia' (Schätze der Gemeinde Ville d'Anaunia). Diese Kirche gehört zu einer Sammlung von sakralen Baudenkmälern, die das kulturelle Erbe des Tales bewahren und entlang des Weges verteilt sind.
Rallo (Tassullo)
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der moderne Pilgerweg **Cammino Jacopeo d’Anaunia** wurde **2007** von der „Associazione Anaune Amici del Camino di Santiago“ um Paolo Menapace offiziell gegründet, inspiriert von Erfahrungen auf dem Camino Francés in Galicien. Ziel war es, die zahlreichen historischen Spuren mittelalterlicher Pilgerwege im Nonstal (Val di Non) zu bündeln und in einer zusammenhängenden Route zugänglich zu machen. Grundlage sind antike Handels‑ und Heeresstraßen, die bereits seit der römischen Kaiserzeit und dann im **Früh‑ und Hochmittelalter** von Händlern, Armeen und Pilgern Richtung Rom, Santiago de Compostela und Jerusalem genutzt wurden. Ein wichtiges historisches Ereignis ist die Pest von **1482** im Trentino, deren Überleben sieben Familien aus Fondo dem heiligen Jakobus zuschrieben und so ein lokales Jakobus‑Gelübde und entsprechende Andachtsformen begründeten, an die der Weg heute anknüpft.
Bedeutung
Im Mittelalter war das Nonstal eine bedeutende **Durchgangszone** auf Nord‑Süd‑Routen, sodass sich hier zahlreiche Pilger auf dem Weg zu den Gräbern der Apostel in Rom und später nach Santiago bewegten; davon zeugen bis heute Jakobus‑Kapellen, Fresken und Reste mittelalterlicher Hospize, in denen Ordensbrüder Pilger aufnahmen. Spirituelles Gravitationszentrum ist Sanzeno mit der **Basilika der Märtyrer von Anaunia**, die auf die frühchristlichen Missionare und Märtyrer Sisinius, Martyrius und Alexander (4./5. Jahrhundert) zurückgeht, sowie das Eremitenheiligtum **San Romedio**, dessen Kult auf einen Einsiedler zurückgeführt wird, der um das Jahr **1000** aus Rom hierherkam. Der Weg macht zudem die lange Verehrung des **hl. Jakobus des Älteren (San Giacomo Maggiore)** im Tal sichtbar, die sich in gotischen und barocken Kirchenbauten, Votivbildern und volkstümlichen Festen ausdrückt und die lokale Kunst‑ und Sakralarchitektur stark geprägt hat. Zu den wichtigsten mit dem Weg verbundenen Persönlichkeiten zählen der Einsiedler **San Romedio** als Symbol radikaler Gottesnähe, die frühchristlichen **Anauner Märtyrer** als Identifikationsfiguren des Tales sowie in neuerer Zeit der Initiator **Paolo Menapace**, der die historische Pilgertradition in eine moderne Route überführt hat.
Heute
Seit seiner offiziellen Einrichtung **2007** erlebt der Cammino Jacopeo d’Anaunia als etwa **160–170 km** langer Rundweg in 7–8 Etappen eine stetig wachsende Zahl an Pilgern und Wanderern, die das Nonstal „aus der Sicht der Pilger von einst“ erfahren möchten. Exakte jährliche Pilgerzahlen werden nicht systematisch veröffentlicht, regionale Tourismusstellen berichten jedoch von einem klaren Aufschwung seit den 2010er‑Jahren im Zuge der allgemeinen Renaissance der Jakobswege in Europa. Der Weg ist derzeit **kein UNESCO‑Welterbe**, wird aber als spirituell geprägte Kulturlandschaft beworben; moderne Pilger suchen hier vor allem Stille, Landschaftserlebnis, Begegnung mit der bäuerlich geprägten lokalen Kultur und eine innere Vertiefung im Angesicht von uralten Heiligtümern wie San Romedio und Sanzeno.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Italienisch, teilweise Ladinisch und Deutsch. Nützliche Phrasen: Buongiorno, Grazie, Scusi, Cammino Jacopeo d’Anaunia?
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Spätfrühling bis Frühsommer (Mai–Juni) oder Frühherbst (September)
Milde Temperaturen, blühende Obstplantagen im Val di Non und gute Wegverhältnisse auf unbefestigten Abschnitten; geringeres Gewitter- und Schneerisiko als im Hochsommer bzw. Winter, bessere Öffnungszeiten von Kirchen/Heiligtümern und Kiosken (z. B. San Romedio).
Meiden
Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze und Ferienverkehr in Dörfern; Wintermonate wegen Schnee auf höher gelegenen Varianten und geschlossenen Einrichtungen vermeiden.
Highlights
Heiligtum San Romedio
Einsiedelei auf Fels mit mehrstufigen Brücken und der bekannten Bärenlegende; spirituelles und architektonisches Zentrum der Route, mit Pilgerbuch/Kiosk für Stempel und Einträge.
Etappe Richtung Sanzeno / Zielort San Romedio (bei Sanzeno)
Castel Thun
Gut erhaltener Fürstenburgkomplex oberhalb von Vigo di Ton / Ton, markanter Aussichtspunkt und kulturelles Highlight an der naturkundlichen Variante.
Etappe mit Durchgang bei Castel Thun (zwischen Vigo di Ton / Coredo)
Tovelsee und Seen von Coredo-Tavon
Kleine Gebirgsseen mit charakteristischer Farbe und Rundwegen; idealer Zwischenstopp auf der naturkundlichen Variante für Fotostopps und Verweilen.
Etappe 7 naturkundliche Variante / bei Coredo und Tavon
Lokale Küche
Äpfel & Produkte aus dem Val di Non (z. B. Apfelkuchen, Most)
Direkt bei Obstbaubetrieben rund um Cles/Revo oder in der Osteria Casa de Gentili in Sanzeno (lokale Empfehlung für Pausenverpflegung)
Beim Hofverkauf nach frisch gepresstem Most fragen; viele Pilger stoppen in Sanzeno/Osteria Casa de Gentili nach dem Abstieg von San Romedio für regionalen Apfelkuchen und lokale Produkte.
Polenta mit Pilzen / Salsiccia alla trentina
Trattorie in Coredo oder Rumo; konkrete Einkehr: Osteria/Trattoria in Coredo (Dorfzentrum) oder Gasthäuser in Rumo laut lokalen Empfehlungen
Frühzeitige Ankunft planen – beliebte kleine Gasthäuser haben nur begrenzte Öffnungszeiten; polenta als herzhafter Energiespender nach langen Etappen.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- B&B und kleine Hotels in Dörfern
- Agriturismi und Pensionen
- Vereinzelt Rifugi und Hütten auf höheren Etappen
Wegmarkierung
Teilweise mit Jakobsmuschel und lokalen Wegzeichen markiert; einige Abschnitte sind nur spärlich beschildert – GPX empfehlenswert.
Geländebeschaffenheit
- Wald- und Forstwege
- Schotter- und Almwege
- Ortsverbindungsstraßen (asphaltiert) und kurze Singletrails
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.