Über den Chemin de Saint-Jacques (Tours)
Die Via Turonensis, der Jakobsweg von Tours nach Santiago de Compostela, ist die nördlichste der vier großen französischen Pilgerwege und folgt einer Tradition, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Dieser etwa 1.100 Kilometer lange Weg beginnt am Grab des heiligen Martin in Tours, einem der ältesten Wallfahrtsorte Europas, dessen Verehrung bereits fünf Jahrhunderte vor dem Kult um Santiago de Compostela etabliert war. Der Pilger durchquert dabei die fruchtbaren Täler der Loire mit ihren Renaissance-Schlössern, wandert durch die sanften Hochebenen des Poitou und der Charente, bevor er die berühmten Weinregionen um Bordeaux erreicht.
Was diesen Weg besonders macht, ist seine physische Zugänglichkeit: Mit minimalem Höhenunterschied und gut ausgebauter Infrastruktur gilt die Via Turonensis als der leichteste der vier Hauptwege – ideal für erfahrene Langstreckenpilger, die weniger an extremer Herausforderung als an Kontinuität und kulturellem Reichtum interessiert sind. Die Route ist eng mit dem GR 655 verbunden und profitiert von einer Renaissance, die durch mehrere aktive Vereinigungen vorangetrieben wird. Unterwegs begegnet der Pilger romanischen Kirchen, die stumme Zeugen mittelalterlicher Frömmigkeit sind, übernachtet in traditionellen Gîtes und erlebt eine Landschaft, die sich ständig wandelt – von der Loire-Romantik über die grünen Ebenen bis zu den ersten Ausläufern der Pyrenäen.
Diese Reise ist weniger ein Kampf gegen die Natur als ein Dialog mit Geschichte, Kultur und dem eigenen Rhythmus des Gehens.
Beste Reisezeit
Diese Monate liefern milde Temperaturen und geöffnete Herbergen/Restaurants entlang der Strecke; Mai–Juni bietet blühende Landschaften im Loirebecken und volle Wochenmärkte, September/Oktober mildert Sommerandrang und erhält noch viele Serviceangebote in Dörfern.
Meiden: Juli–August (hohe Touristenzahlen und teilweise geschlossene lokale Betriebe in ländlichen Dörfern) sowie Dezember–Februar (kürzere Öffnungszeiten, eingeschränkte Herbergen und potenziell schlechtes Wetter)
Klima
Highlights
Tours – Basilika des heiligen Martin
Die Basilika Saint-Martin in Tours war im Mittelalter einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas. Der heilige Martin starb 397 n.Chr. und sein Grab wurde zum Zentrum einer Pilgerkultur, die älter ist als die Santiago-Verehrung selbst. Heute ist die Basilika ein Meisterwerk der Romanik und der Ausgangspunkt für Pilger, die die Via Turonensis begehen.
Loire-Tal – Renaissance-Schlösser
Zwischen Tours und Blois erstreckt sich eine der schönsten Landschaften Frankreichs mit Schlössern wie Château d'Amboise und Château de Chenonceau. Diese architektonischen Juwelen aus dem 15. und 16. Jahrhundert prägen das Landschaftsbild und erinnern daran, dass dieser Weg durch eines der kulturellen Zentren der französischen Renaissance führt.
Poitiers – Kirche Notre-Dame-la-Grande
Die romanische Kirche Notre-Dame-la-Grande in Poitiers (11. Jahrhundert) ist ein Meisterwerk der Poitevin-Romanik mit ihrer charakteristischen Fassade aus Kalkstein. Sie steht auf einer Etappe, die etwa 17 Tage nach Toursbeginn erreicht wird, und symbolisiert die spirituelle Kontinuität des Weges.
Saintes – Basilika Saint-Eutrope
In Saintes, etwa 23 Tage nach Tours, erwartet Pilger die Basilika Saint-Eutrope mit ihrer beeindruckenden romanischen Krypta aus dem 11. Jahrhundert. Die Stadt war ein wichtiger Halt auf mittelalterlichen Pilgerwegen und ihre Basilika beherbergt Reliquien, die Tausende Gläubige anzogen.
Bordeaux – Tor zur Gascogne
Nach etwa 29 Tagen erreicht der Pilger Bordeaux, eine Stadt, die durch ihre Weinkultur und ihre Lage an der Garonne geprägt ist. Die Überquerung von Bordeaux markiert den Übergang von den atlantischen Ebenen zu den Ausläufern der Pyrenäen und bietet eine letzte urbane Etappe vor der finalen Bergphase.
Dax – Thermalbäder und römische Geschichte
Dax ist seit der Antike für seine heißen Quellen bekannt und war ein wichtiger Rastplatz für römische Legionäre. Heute bietet die Stadt nach etwa 35 Tagen Wanderung die Möglichkeit zur physischen Regeneration und verbindet römische Geschichte mit moderner Wellness-Kultur.
Ostabat – Begegnung mit anderen Wegen
In Ostabat, kurz vor Saint-Jean-Pied-de-Port, treffen sich mehrere Jakobswege: die Via Turonensis, der Camino Navarro und der Camino Aragonés. Dieser Ort ist ein symbolischer Treffpunkt, wo sich Pilger aus verschiedenen Ursprungsrichtungen begegnen, bevor sie gemeinsam die Pyrenäen überqueren.
Saint-Jean-Pied-de-Port – Tor zu den Pyrenäen
Nach 39 Etappen und etwa 1.100 Kilometern erreicht der Pilger Saint-Jean-Pied-de-Port, das historische Tor zu den Pyrenäen. Die befestigte Altstadt mit ihren Kopfsteinpflasterstraßen ist seit Jahrhunderten der letzte französische Sammelpunkt vor der spanischen Grenze und dem berühmten Col de Roncevaux.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela über Tours entstand im 11. Jahrhundert als Teil der Via Turonensis, einer der vier Hauptverkehrsachsen der mittelalterlichen Jakobspilger in Frankreich. Die erste urkundliche Erwähnung eines Jakobsweges stammt aus dem Jahr 1047 in einer Urkunde des Hospitals von Arconada in Spanien, die Pilger auf dem Weg nach Santiago bezeugt. Die Entstehung des Weges wurde durch die Auffindung des Apostelgrabes des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela zwischen 818 und 834 unter König Alfonso II. von Asturien und die anschließende Verbreitung der Pilgertradition im christlichen Westen ausgelöst. Im 11. Jahrhundert wurde der Weg über Tours als fester Bestandteil der französischen Jakobswege institutionalisiert, als Pilger aus Nordfrankreich und Paris sich auf dem Weg nach Spanien über die bedeutende Bischofsstadt Tours sammelten.
Bedeutung
Im Hochmittelalter war der Weg über Tours eine der wichtigsten Pilgerstraßen Frankreichs und Teil der Via Turonensis, die von Paris über Tours und Poitiers nach Spanien führte. Die Stadt Tours war ein zentraler spiritueller Knotenpunkt, weil sie die Reliquien des heiligen Martin von Tours beherbergte, die seit dem 4. Jahrhundert eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten Westeuropas darstellten. Pilger verehrten dort die Reliquien des heiligen Martin, bevor sie weiter nach Santiago zogen, was die Verbindung zwischen den beiden großen Pilgertraditionen – Martin von Tours und Jakobus dem Älteren – stärkte. Der Weg förderte den Aufbau von Pilgerherbergen, Kirchen und Klöstern entlang der Route, beeinflusste die romanische Architektur und ermöglichte den Austausch von Ideen, Kultur und Handel zwischen Nordfrankreich und der iberischen Halbinsel.
Heute
Heute ist der Weg über Tours wieder ein lebendiger Teil des Jakobsweges und wird von Tausenden Pilgern pro Jahr begangen, die von Paris oder anderen französischen Städten kommend in Tours Station machen. Seit den 1980er und 1990er Jahren erlebt der Weg eine Renaissance, und seit dem 2. Dezember 1998 gehört er als Teil der UNESCO-Welterbestätte „Wege der Jakobspilger in Frankreich“ zum Weltkulturerbe. Moderne Pilger sind von spiritueller Suche, persönlicher Herausforderung und dem Wunsch nach Begegnung mit Geschichte und Natur motiviert, wenn sie die Spuren der mittelalterlichen Pilger über die Brücke von Tours und weiter in Richtung Poitiers und Spanien folgen.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Französisch (und etwas Baskisch in Saint-Jean-Pied-de-Port). Nützliche Phrasen: 1) « Bonjour, je suis pèlerin sur le chemin de Saint-Jacques. » 2) « Pourriez-vous tamponner ma crédentiale, s’il vous plaît ? » 3) « Y a-t-il un menu du pèlerin ce soir ? » 4) Baskisch: « Egun on, erromes naiz. » (Guten Tag, ich bin Pilger.)
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Mai–Anfang Juli und September–Oktober
Diese Monate liefern milde Temperaturen und geöffnete Herbergen/Restaurants entlang der Strecke; Mai–Juni bietet blühende Landschaften im Loirebecken und volle Wochenmärkte, September/Oktober mildert Sommerandrang und erhält noch viele Serviceangebote in Dörfern.
Meiden
Juli–August (hohe Touristenzahlen und teilweise geschlossene lokale Betriebe in ländlichen Dörfern) sowie Dezember–Februar (kürzere Öffnungszeiten, eingeschränkte Herbergen und potenziell schlechtes Wetter)
Highlights
Kathedrale Saint‑Gatien in Tours
bedeutende gotische Kathedrale mit Pilgertradition und zentraler Ausgangs‑/Zwischenstation für den Chemin de Saint‑Jacques durch das Loire‑Tal
Etappe: Ankunft/Start in Tours (in der Altstadt)
Basilique Saint‑Hilaire / Kloster von Poitiers (Abbaye de Saint‑Hilaire)
historische Klosteranlage und wichtiger Pilgerhalt mit tradierten Stempelstellen und sichtbaren Relikten mittelalterlicher Pilgerwege
Etappe: Poitiers – rund um Etappe 3–5 je nach Routenwahl
Altstadt und römische Überreste von Saintes (Amphitheater & Abbaye aux Dames)
gut erhaltene römische Ruinen und die Abbaye aux Dames (wichtiges liturgisches Zentrum) — oft empfunden als kultureller Höhepunkt vor dem Übergang Richtung La Rochelle/Charente
Etappe: bei Saintes (späterer Abschnitt auf dem Weg Richtung Atlantik)
Lokale Küche
Tarte Tatin / Touraine‑Äpfel
Pâtisserie in Tours (z. B. 'Pâtisserie Michaud' nahe Place Plumereau) oder Marktstände auf dem Marché des Halles
Auf Märkten in Tours frische, lokal angebaute Äpfel aus der Touraine kaufen; viele Gîtes servieren hausgemachte Tarte Tatin als Dessert nach Etappen.
Charentaische Austern / Mouclade (Muscheln à la Charente)
Restaurants in Saintes und entlang der Charente (z. B. 'La Table d'Oléron' Betreiber in Saintes/Port‑d'Envaux‑Region empfohlen von lokalen Pilgern)
In Saintes am frühen Abend essen: lokale Bistrot‑Karten führen frische Austern saisonal, Pilger berichten von günstigeren Portionsgrößen außerhalb der Hauptsaison.
Poitou‑Käse und 'farci poitevin' (gefülltes Gemüse)
Marktstände in Poitiers (Halles de Poitiers) oder kleine Restaurants in der Altstadt
Auf Wochenmärkten nach 'fromage de chèvre' aus der Region Poitou‑Charentes fragen; farci poitevin wird oft als Hausgericht in ländlichen Auberges angeboten.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Gîtes d'étape und kirchliche Herbergen (Pilgerherbergen)
- Privatunterkünfte, chambres d'hôtes und Hostels
- Hotels in größeren Städten (Bordeaux, Tours)
Wegmarkierung
Gute Markierung mit Muschelzeichen und gelben Pfeilen in Frankreich und Spanien; in manchen Abschnitten lokale Markierungen variieren, Karte/GPS empfohlen.
Geländebeschaffenheit
- Flache bis wellige Land- und Flussauen (Loire-Tal)
- Wein- und Agrarlandschaften
- Hügellig bis bergig beim Pyrenäenübergang
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.