Über den Loccumer Pilgerweg
Der Pilgerweg Loccum-Volkenroda ist kein gewöhnlicher Wanderweg – er ist eine Zeitreise durch 862 Jahre Klostergeschichte. Im Jahr 1163 machten sich 13 Mönche des Zisterzienserordens aus dem thüringischen Volkenroda auf den Weg nach Norden und gründeten das Kloster Loccum in Niedersachsen. Diese historische Verbindung wurde erst 2005 von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover als moderner Pilgerweg wiederbelebt – ein Symbol für die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands, denn die Route überquert die ehemalige innerdeutsche Grenze.
Auf etwa 300 Kilometern folgt der Weg den drei großen Flüssen Weser, Leine und Unstrut, führt über das Wesergebirge, den Vogler und den Solling und durchquert das Eichsfeld. Die Strecke ist geprägt von abwechslungsreicher Naturlandschaft – von stillen Waldabschnitten über das weitläufige Steinhuder Meer bis hin zu historischen Altstädten mit Weserrenaissance-Bauten. Entlang des Weges finden sich zahlreiche Klöster und Klosterruinen, überwiegend zisterziensischen Ursprungs, die wie Perlen auf einer Schnur die Glaubensgeschichte mehrerer Jahrhunderte lebendig machen.
Mit Tagesetappen von meist 15 bis 21 Kilometern ist der Weg in 18 Etappen unterteilt und bietet eine perfekte Balance zwischen körperlicher Aktivität und spiritueller Einkehr. Pilger erleben hier nicht nur kulturelle Highlights und architektonische Schätze, sondern auch die Chance zur Selbstbesinnung in einer hektischen Zeit – genau das, was die Zisterzienser einst suchten, als sie diese Wege zu Fuß zwischen ihren Klöstern zurücklegten.
Beste Reisezeit
Zu diesen Zeiten sind Forst- und Feldwege meist trocken (geringeres Matsch-/Rutschrisiko auf Vogler/Solling-Pässen), die Gastronomie und Pilgerunterkünfte in kleineren Orten sind geöffnet und die Temperaturen moderat; außerdem sind Vegetation/Blüten im Weser-Leine-Gebiet und im Eichsfeld besonders attraktiv.
Meiden: Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze und möglicher Wasserversorgungsengpässe auf freien Abschnitten sowie Wintermonate wegen Dunkelheit, Schnee und reduziertem Herbergs-Angebot.
Klima
Highlights
Kloster Loccum
Das romanisch-gotische Kloster Loccum ist der Startpunkt des Pilgerweges und eines der bedeutendsten Zisterzienserkoster Norddeutschlands. Gegründet 1163 als Tochtergründung Volkenrodas, beeindruckt die Klosteranlage mit ihrer imposanten Architektur, dem Kreuzgang und der Klosterkirche, die noch heute Gottesdienste beherbergt. Der Klosterforst und die umliegenden Fischteiche zeugen von der mittelalterlichen Wirtschaftsweise der Mönche.
Steinhuder Meer
Das Steinhuder Meer ist Deutschlands größtes Binnenmeer und prägt mehrere Etappen des Pilgerweges mit seiner einzigartigen Seenlandschaft. Der Nebenweg Kloster Mariensee führt als Rundkurs in vier Etappen um das Meer (82 km) und bietet Pilger Momente der Kontemplation am Wasser. Die Landschaft mit ihren Schilfgürteln und Vogelkolonien schafft eine meditative Atmosphäre.
Stadthagen – Weserrenaissance
Nach der ersten Etappe erreichen Pilger Stadthagen, eine Stadt der Weserrenaissance mit beeindruckenden Bauwerken. Das Mausoleum des Fürsten Ernst von Holstein-Schaumburg mit Skulpturen von Adriaen de Vries, die St.-Martini-Kirche und das Schloss prägen das Stadtbild. Der historische Marktplatz ist ein Ort der Rast und kulturellen Entdeckung.
Wesergebirge
Das Wesergebirge ist eine der landschaftlichen Höhepunkte des Pilgerweges, mit sanften Höhenzügen, die sich über die norddeutsche Tiefebene erheben. Die Route führt durch abwechslungsreiche Waldlandschaften mit Ausblicken auf die Weser und ihre Talauen. Die geologische Vielfalt mit Sandstein- und Kalkformationen schafft eine visuell beeindruckende Kulisse.
Schloss Hämelschenburg
Das Schloss Hämelschenburg beherbergt ein Pilgerportal mit zwei Jakobsmuscheln – Symbolen des Pilgertums – die die ehemalige Durchreiche von der Küche in den Innenhof zieren. Diese Durchreiche diente bis ins 19. Jahrhundert der Versorgung Bedürftiger und zeigt die historische Gastfreundschaft gegenüber Pilgern. Das Schloss bietet heute ein Schlosscafé zur Stärkung.
Eichsfeld
Das Eichsfeld ist eine historische Kulturlandschaft mit ausgeprägtem katholischen Glaubenserbe, das sich deutlich von der protestantisch geprägten Route unterscheidet. Die Region ist geprägt von Wallfahrtskirchen, Kapellen und Klöstern, die das religiöse Leben über Jahrhunderte geprägt haben. Die Landschaft mit ihren Hügeln und Wäldern schafft eine kontemplative Atmosphäre.
Kloster Volkenroda
Das Zisterzienserkloster Volkenroda in Thüringen ist das Zielkloster und Mutterkloster Loccums, gegründet im 12. Jahrhundert. Die Klosteranlage mit ihrer Kirche und den historischen Gebäuden steht am Ende einer 300 Kilometer langen spirituellen Reise. Der Ort symbolisiert die Rückkehr zu den Wurzeln und die Wiedervereinigung von Nord und Süd.
Wiedensahl – Geburtsort Wilhelm Buschs
Das Dorf Wiedensahl war der Geburtsort des berühmten Schriftstellers und Illustrators Wilhelm Busch (1832-1908), bekannt für 'Max und Moritz'. Eine Schutzhütte, das ehemalige 'Schweinehirtenhaus', markiert diesen kulturellen Ort auf der Route. Die Verbindung von Literaturgeschichte und Pilgerweg schafft einen zusätzlichen kulturellen Kontext.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der heutige Loccumer Pilgerweg knüpft an einen historischen Klostergründungsweg aus dem Jahr 1163 an, als Abt Ekkehard (auch: Ekkehardus) mit zwölf Mönchen vom Zisterzienserkloster Volkenroda nach Norden aufbrach, um in den Sümpfen bei der Lucca‑Burg das neue Zisterzienserkloster Loccum zu gründen. Über Jahrhunderte blieb Loccum als Tochterkloster in enger geistlicher und organisatorischer Verbindung mit Volkenroda, dessen Abt regelmäßig zu Visitationen nach Loccum reiste – auch wenn der genaue Routenverlauf nie schriftlich fixiert wurde und wohl mit den Jahreszeiten variierte. Die moderne Wiederaufnahme dieses alten Zusammenhangs entstand im Kontext der geistlichen und kulturellen Neuorientierung nach der deutschen Wiedervereinigung 1989, als die einst durch die innerdeutsche Grenze getrennten Klöster wieder in einen gemeinsamen Horizont rückten. 2005 wurde der Pilgerweg Loccum–Volkenroda als bewusst „neuer Weg“ offiziell begründet und eröffnet; die damalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann weihte ihn ein und knüpfte damit spirituell an die zisterziensische Reform- und Erneuerungsbewegung des 12. Jahrhunderts an.
Bedeutung
Historisch steht der Weg im Zeichen der Zisterzienser, jener seit 1098 entstandenen Reformbewegung, die im 12. Jahrhundert durch ihre strenge Spiritualität, Schlichtheit in der Architektur und kultivierende Arbeit in abgelegenen Landschaften das christliche Europa prägte; die Route verbindet eine Kette von Klöstern und Klosterruinen, vor allem zisterziensischen Ursprungs, die diese Geschichte in Kirchenbau, Wirtschaftsformen und Landschaftsgestaltung widerspiegeln. Im Mittelalter waren Loccum (gegründet 1163) und das um 1131 erneuerte Mutterkloster Volkenroda wichtige Zentren klösterlicher Frömmigkeit, Bildung und Grundherrschaft; der Weg folgt symbolisch den alten Verkehrs- und Handelsachsen entlang von Weser, Leine und Unstrut, an denen sich Marktorte, Stifte wie das Kanonissenstift Fischbeck (um 955 gegründet) und Städte wie Hameln mit ihrem Münster herausbildeten. Spirituell ist die Route eng mit Reformimpulsen verknüpft, etwa der mönchischen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert vom Benediktinerkloster Bursfelde an der Weser ausging und weit über Norddeutschland ausstrahlte und deren Klosterkirche heute eine wichtige Station bildet. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die mit der Traditionslinie des Weges verbunden sind, gehören Abt Ekkehard als Gründungsabt Loccums, die mittelalterlichen Äbte der Zisterzienserklöster entlang der Strecke sowie in der Neuzeit kirchliche Gestalter wie der Loccumer Abt und frühere Landesbischof Horst Hirschler, der maßgeblich den Transfer des Christus‑Pavillons der EXPO 2000 nach Volkenroda initiierte und so eine moderne geistliche Landmarke am Weg schuf.
Heute
Der Pilgerweg Loccum–Volkenroda ist heute ein rund 300 Kilometer langer ökumenischer Pilgerweg, der in etwa 18 Etappen begangen werden kann und jährlich viele – teils mehrere Tausend – Wandernde, Einzelpilgernde und Gruppen anzieht, die eine Mischung aus Naturerfahrung, historischer Spurensuche und spiritueller Einkehr suchen. Seit seiner offiziellen Eröffnung im Jahr 2005 erlebt der Weg eine deutliche Renaissance des Pilgerns im nord- und mitteldeutschen Raum; die gut ausgeschilderte Route mit zahlreichen Kirchen, Klöstern, geistlichen Gemeinschaften und Pilgerherbergen sorgt dafür, dass Pilgern hier als entschleunigte, kontemplative Form des Reisens wiederentdeckt wird. Der Weg ist kein UNESCO-Welterbe, gewinnt seine Anziehungskraft aber aus der Verbindung von jahrhundertealter Zisterziensertradition, der symbolischen Überquerung der ehemaligen innerdeutschen Grenze – als Erinnerung an die friedliche Revolution von 1989 – und der Suche moderner Pilger nach Stille, Sinn und geistlicher Vertiefung.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Deutsch; Hallo, guten Tag; Wo ist die nächste Herberge?; Danke schön; Guten Appetit
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Spätfrühling bis Frühsommer (Mai–Juni) oder Frühherbst (September)
Zu diesen Zeiten sind Forst- und Feldwege meist trocken (geringeres Matsch-/Rutschrisiko auf Vogler/Solling-Pässen), die Gastronomie und Pilgerunterkünfte in kleineren Orten sind geöffnet und die Temperaturen moderat; außerdem sind Vegetation/Blüten im Weser-Leine-Gebiet und im Eichsfeld besonders attraktiv.
Meiden
Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze und möglicher Wasserversorgungsengpässe auf freien Abschnitten sowie Wintermonate wegen Dunkelheit, Schnee und reduziertem Herbergs-Angebot.
Highlights
Kloster Loccum
Zisterzienserkloster mit Pilgermal 'Anfang und Ende' und historischer Klosteranlage; häufige Start- und Endstation der Route.
Etappe 1 / Loccum
Bückeberg und Stadthagen (Dinosaurierfährten, Wall der Martinikirche)
Ungewöhnliche Naturspur-Funde und denkmalgeschützte Stadtmauer/Wallanlage in Stadthagen als kultureller und naturnaher Kontrast zur Waldpassage.
Etappe 1–2 / Stadthagen
Kloster Volkenroda
Endpunkt und Zisterzienseranlage mit Christus-Pavillon (historische Verbindung zur EXPO 2000) und modernem Pilgerangebot in Thüringen.
letzte Etappe / Volkenroda
Lokale Küche
Schaumburger Bauernbraten / regionale Wildgerichte
Gasthaus Deppe (bei Reiffenhausen) oder Landgasthaus Michel (Friedland-Region)
Diese Gasthäuser werden entlang Etappen genannt und bieten herzhafte regionale Braten bzw. Wild aus Solling/Weserbergland; vorher telefonische Rückfrage wegen saisonaler Karte empfohlen.
Eichsfelder Feldgieker (regionale Back- und Kuchenvarianten) & Hefeteig-Spezialitäten
Cafés in Heilbad Heiligenstadt (Altstadt nahe Etappenankunft)
Ideal als Zwischenmahlzeit nach der Etappe Friedland→Heiligenstadt; lokale Bäckereien in der Altstadt führen traditionelle Eichsfelder Backwaren.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen und Klosterunterkünfte (begrenzte Plätze)
- Pensionen, Landgasthöfe und Hotels in größeren Orten
- Jugendherbergen; Campingplätze saisonal verfügbar
Wegmarkierung
Teilweise markiert; lokale Wegzeichen und kirchliche Hinweise vorhanden. GPX-Tracks empfohlen zur Navigation.
Geländebeschaffenheit
- Überwiegend Feld- und Forstwege
- Abschnitte auf geschotterten Wegen und Asphalt
- Flaches bis leicht welliges Geestland, wenige steilere Anstiege
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.