Über den Sankt Martinsweg
Der Sankt Martinsweg ist eine der längsten europäischen Pilgerwegen, die nicht nur religiöse Orte verbindet, sondern die tatsächliche Lebensgeschichte eines der einflussreichsten Heiligen Europas nachzeichnet. Startend in Szombathely, der ungarischen Geburtsstadt des heiligen Martin aus dem 4. Jahrhundert, führt diese 2500 Kilometer lange Route durch drei Länder und verbindet die Orte seiner Geburt, seines Wirkens und seines Todes in Tours.
Der Weg durchquert zunächst die flachen pannonischen Ebenen Ungarns, wo Martin als römischer Soldat diente, bevor er sich dem christlichen Glauben zuwandte – diese Landschaften erzählen von seiner frühen Lebensphase und prägen bis heute das Gesicht der Region. Über Österreich, wo das Burgenland mit seinen Seen und Weinbergen eine sanfte Übergangszone bildet, führt die Route weiter nach Westen durch die hügeligen Regionen Frankreichs bis zum Loire-Becken. Was diesen Weg von anderen Pilgerwegen unterscheidet, ist seine historische Authentizität: Pilger folgen nicht einer abstrakten spirituellen Idee, sondern den dokumentierten Stationen eines realen Menschen, dessen Handlungen – wie das Teilen seines Mantels mit einem Bettler – bis heute symbolträchtig sind.
Die Route verbindet dabei nicht nur Kirchen und Klöster, sondern auch ländliche Dörfer und kleine Gemeinden, die seit Jahrhunderten die Erinnerung an Martin bewahren. Für 83 bis 125 Tage durchquert der Pilger eine Kulturlandschaft, in der sich römische Geschichte, mittelalterliche Kirchenarchitektur und ländliche Traditionen zu einem einzigartigen Erlebnis verbinden.
Beste Reisezeit
Milde Temperaturen für lange Etappen durch Ungarn, Österreich und Deutschland; Patrozinienfeiern im November wie in Klosterneuburg (13. November).
Meiden: Wintermonate wegen Schnee in Alpenvorland und unmarkierten Pfaden
Klima
Highlights
Szombathely – Geburtsort des heiligen Martin
Szombathely war in der Antike als Savaria bekannt und ist die Geburtsstadt des heiligen Martin (316 n.Chr.). Die Stadt bewahrt römische Ruinen und die moderne Martinsbasilika, die 1997 erbaut wurde und das spirituelle Zentrum des Weges markiert. Hier beginnt die Pilgerreise an dem Ort, wo Martins Leben vor 1700 Jahren seinen Anfang nahm.
Pannonische Ebenen – Landschaft der inneren Einkehr
Die flachen, weitläufigen Ebenen zwischen Szombathely und Österreich prägen die erste Etappe mit ihrer Weite und Stille. Diese Landschaft war zur Zeit Martins Militärgebiet und ist heute ein Raum der meditativen Wanderung, wo Pilger auf sich selbst treffen, bevor die Route in hügeliger werdende Regionen übergeht.
Eisenstadt – Kulturelles Zentrum des Burgenlandes
Eisenstadt ist die Hauptstadt des Burgenlandes und beherbergt das Schloss Esterházy, wo einst Joseph Haydn als Kapellmeister tätig war. Die Stadt verbindet die Martinuswallfahrt mit musikhistorischer Bedeutung und zeigt die kulturelle Tiefe der Region, durch die der Pilgerweg führt.
Donautal-Passage – Übergang zwischen Kulturen
Der Weg folgt an mehreren Stellen der Donau, die seit der Antike Grenzfluss und Kulturachse Europas ist. In diesem Bereich treffen österreichische Tradition, slawische Einflüsse und westeuropäische Kultur aufeinander, was sich in Architektur, Küche und lokalen Bräuchen widerspiegelt.
Weinregionen Frankreichs – Loire-Becken
Die abschließenden Etappen führen durch die berühmten Weinregionen Frankreichs, insbesondere das Loire-Becken, wo sich mittelalterliche Burgen und Weingüter in einer sanften Hügellandschaft erheben. Diese Region war Martins Wirkungsort als Bischof und ist heute ein UNESCO-Weltkulturerbe.
Tours – Endziel und Wirkensstätte des heiligen Martin
Tours ist die Stadt, in der Martin als Bischof wirkte und wo er 397 n.Chr. starb. Die Basilika Saint-Martin beherbergt sein Grab und ist seit Jahrhunderten eines der wichtigsten Wallfahrtsziele Europas. Der Weg endet an diesem heiligen Ort, wo Martins Leben seine Vollendung fand.
Martinskirchen entlang der Route
Der Weg verbindet über 100 Kirchen mit Martinspatrozinium, von denen viele romanische oder gotische Architektur aus dem 11.-15. Jahrhundert bewahren. Diese Kirchen zeigen die Verbreitung der Martinsverehrung durch Europa und sind Zeugen von 1500 Jahren Glaubenstradition.
Klöster und Abteien – Zentren der spirituellen Kontinuität
Entlang der Route liegen historische Klöster wie Zwiefalten in Süddeutschland, die seit dem Mittelalter als Orte der Kontemplation und Bildung dienten. Diese Orte ermöglichen Pilger, in die monastische Tradition einzutauchen und die spirituelle Tiefe zu erfahren, die Martin selbst suchte.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Die Wurzeln des heutigen Sankt‑Martinswegs („Via Sancti Martini“) liegen in der spätantiken Verehrung des heiligen Martin von Tours, der zwischen 316/317 in Savaria, dem heutigen Szombathely in Ungarn, geboren wurde und 397 auf einer Visitationsreise als Bischof von Tours in Gallien starb. Bereits kurz nach seinem Tod setzte ab dem späten 4. und spätestens im 5. Jahrhundert eine intensive Pilgerbewegung zu seinem Grab in Tours ein, das sich zum bedeutendsten Pilgerziel des fränkischen Raums entwickelte. Der mittelalterliche Weg verband daher Martins Lebensstationen – von Pannonien (Ungarn) über den Donauraum und die Alpenländer bis ins fränkische Kernland – und führte durch Regionen des heutigen Ungarn, Österreichs und Frankreichs, in denen Martinskirchen, Klöster und Hospize entstanden. In seiner heutigen Form wurde die Via Sancti Martini als zusammenhängender europäischer Kultur- und Pilgerweg erst im 21. Jahrhundert systematisch rekonstruiert: 2005 erkannte der Europarat den Martinusweg als Kulturroute an, und 2016 wurde die Mittelroute von Szombathely über Österreich, Deutschland, Luxemburg und Belgien nach Tours als durchgehender Pilgerweg eröffnet.
Bedeutung
Im Mittelalter war das Grab des heiligen Martin in Tours über mehr als ein Jahrtausend einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas; es zog Könige, Bischöfe, Adelige und einfache Gläubige an und stand in einer Reihe mit den großen Wallfahrtszielen wie Rom und Santiago de Compostela. Entlang der historischen Pilgerwege entstanden in Ungarn, Österreich und Frankreich zahllose Martinskirchen, Hospize, Bruderschaften und Klöster, die romanische und gotische Architektur prägten und Kunstwerke – von Reliefs des Mantelteilungs‑Motivs bis zu Glasfenstern – inspirierten. Der Kult des heiligen Martin, der im Frankenreich schon früh zum Lieblingsheiligen der Merowinger und Karolinger wurde, verband sich mit der Ausbreitung des abendländischen Mönchtums; Martin wurde als Begründer des westlichen Mönchtums verehrt, und seine Lebensform als Einsiedler und Bischof prägte spirituelle Bewegungen von der spätantiken Askese bis zu spätmittelalterlichen Reformklöstern. Berühmte Persönlichkeiten wie fränkische und französische Könige, lokale Fürsten, Bischöfe sowie zahlreiche Ordensgemeinschaften pilgerten oder entsandten Gesandte nach Tours, um vor Martins Reliquien zu beten, Gelübde abzulegen oder für militärische Unternehmungen und Ernteerfolge seinen Schutz zu erbitten.
Heute
Heute ist der Sankt‑Martinsweg ein über 2.500 bis nahezu 3.000 Kilometer umfassendes europäisches Wegenetz, das Szombathely mit Tours über eine Süd‑ und eine Mittelroute verbindet und jährlich wachsende Zahlen von Pilgerinnen und Pilgern aus vielen Ländern anzieht. Der Europarat führte die Via Sancti Martini 2005 als Kulturroute Europas, und seit etwa den 2000er‑Jahren erlebt der Weg im Zuge der allgemeinen Renaissance des Pilgerns eine deutliche Wiederbelebung; 2016 wurden die Mittelroute und regionale Ergänzungen wie der rund 300 km lange „Pannonische Martinusweg“ im Burgenland offiziell eröffnet. Moderne Pilger werden weniger von mittelalterlicher Bußfrömmigkeit als von spiritueller Sinnsuche, europäischer Versöhnung, sozialem Engagement im Geist des Teilens und dem Wunsch motiviert, die historischen Lebensstationen eines Heiligen zu erleben, der Grenzen überschritt und als „europäischer Heiliger“ gilt.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Ungarisch, Slowenisch, Französisch. Nützliche Phrasen: Ungarisch: "Jó napot kívánok" (Guten Tag), "Köszönöm" (Danke), "Merre van a templom?" (Wo ist die Kirche?), "Hol van a zarándokszállás?" (Wo ist die Pilgerherberge?). Slowenisch: "Dober dan" (Guten Tag), "Hvala" (Danke), "Kje je cerkev?" (Wo ist die Kirche?), "Iščem romarsko pot" (Ich suche den Pilgerweg). Französisch: "Bonjour" (Guten Tag), "Merci" (Danke), "Où est l’église Saint-Martin ?" (Wo ist die St.-Martin-Kirche?), "Je suis pèlerin" (Ich bin Pilger).
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Mai bis September
Milde Temperaturen für lange Etappen durch Ungarn, Österreich und Deutschland; Patrozinienfeiern im November wie in Klosterneuburg (13. November).
Meiden
Wintermonate wegen Schnee in Alpenvorland und unmarkierten Pfaden
Highlights
Basilika St. Martin in Tours
Grablege des Heiligen Martin, Ziel des gesamten Weges mit historischen Spuren seines Bischofsamtes.
Ende der Mittelroute / Tours, Frankreich
Geburtsstätte in Szombathely
Startpunkt mit Martinus-Museum und römischen Ruinen als Geburtsort des Heiligen.
Etappe 1 / Szombathely, Ungarn
Stadtpfarrkirche Stockerau
Wichtige Etappenendstation nach Donauquerung mit Martins-Patrozinium.
Österreichischer Abschnitt / Stockerau
Lokale Küche
Martinigans (Martinsgans)
Pfarre St. Martin Klosterneuburg
Bei Patroziniumsfest am 13. November mit lokalen Martinusfeiern
Brot von Bäckerei Huber
Berkheim bei Tannheim
Gespendete Mittagsmahlzeiten für Pilger während Etappenpilgerungen
Regionale Schwäbische Spezialitäten
Bonlanden nach Rosenkranzpilgern
Nach Ankunft mit Glockengeläut in Baden-Württemberg-Abschnitt
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen und einfache Gästehäuser
- Pensionen, kleine Hotels und Ferienwohnungen
- Landgasthöfe und Winzerzimmer in Weinregionen
Wegmarkierung
Teilweise markiert: In vielen Abschnitten gibt es lokale Wegzeichen, Schilder oder Markierungen mit Martins-Symbolen; in einigen Regionen sind Routenbeschreibungen und GPX nötig.
Geländebeschaffenheit
- Pannonische Ebenen und weite Felder
- Hügellandschaften und Weinberge
- Flusstäler (Donau, Nebenflüsse) und vereinzelte steilere Passagen
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.