Über den Via Gebennensis
Die Via Gebennensis ist eine der weniger bekannten, aber umso reizvolleren Varianten des Jakobswegs – eine 350 Kilometer lange Verbindung von Genf nach Le Puy-en-Velay, die seit Jahrhunderten deutsche und Schweizer Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela begleitet. Der Weg beginnt am Ufer der Rhône in Genf, wo die imposante St. Peters Kathedrale Pilger segnet, bevor sie sich in die sanften Voralpenhänge des Mont Salève aufmachen.
Im Gegensatz zu den überlaufenen Routen durch Spanien oder Portugal bietet die Via Gebennensis eine authentische Pilgererfahrung: Sie durchquert das Pays de Seyssel mit seinen Weinbergen der Chautagne, wandert durch die grünen Ebenen der Dauphinoise und erklimmt schließlich die vulkanisch geprägte Hügellandschaft des französischen Zentralmassivs. Die Route folgt dem Fernwanderweg GR65 und verbindet damit die Schweizer Jakobswege mit der Via Podiensis, die von Le Puy-en-Velay bis zu den Pyrenäen führt. Was diesen Weg besonders macht, ist die Vielfalt: Innerhalb von zwei bis drei Wochen erleben Pilger den Wechsel von alpinen Vorbergen zu sanften Savoyer Dörfern, von romanischen Kapellen zu UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.
Die Strecke ist hervorragend beschildert und bietet eine perfekte Balance zwischen körperlicher Herausforderung und kultureller Bereicherung – ideal für Pilger mit mittlerer Kondition, die fernab der Massen eine tiefe Verbindung zu Geschichte, Landschaft und sich selbst suchen.
Beste Reisezeit
Vor- und Frühling bis Frühsommer sowie der frühe Herbst bieten moderates Wetter, viele geöffnete Unterkünfte und Weinbergsszenen; die Vegetation ist grün, die Temperaturen sind tagsüber angenehm und Nächte nicht zu kalt, was auf den hügeligen, teilweise exponierten Abschnitten der Via Gebennensis vorteilhaft ist.
Meiden: Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze in offenen Abschnitten und winterliche Monate (Dezember–März) wegen möglicher Schneefelder/Schlammpassagen in höheren Lagen und geschlossener Infrastruktur.
Klima
Highlights
Genf – St. Peters Kathedrale und Genfer See
Der Startpunkt der Via Gebennensis liegt an der imposanten St. Peters Kathedrale in Genf, einer der wichtigsten reformierten Kirchen Europas mit ihrem charakteristischen klassizistischen Stil aus dem 12. Jahrhundert. Von hier aus führt der Weg entlang des Genfer Sees (Lac Léman) mit Blicken auf die schneebedeckten Alpen – ein spiritueller Einstieg in die Pilgerreise, der Pilger unmittelbar mit der Größe der Schöpfung verbindet.
Mont Salève – Die Voralpenschranke
Der Mont Salève erhebt sich wie eine natürliche Mauer südlich von Genf und markiert den ersten bedeutenden Anstieg der Route. Mit seinen 1379 Metern bietet der Berg nicht nur physische Herausforderung, sondern auch spektakuläre Ausblicke über das Genfer Becken bis zu den Hochalpen – ein Wendepunkt, an dem Pilger die Ebene endgültig hinter sich lassen.
Pays de Seyssel – Weinberge und Savoyer Kultur
Das von der Rhône geprägte Pays de Seyssel öffnet Pilger die Tore zu authentischer Savoyer Kultur mit ihren terrassierten Weinbergen und traditionellen Dörfern. Hier finden sich noch heute die Spuren mittelalterlicher Pilgerwege, und die Region ist bekannt für ihre Weißweine und den Reblochon-Käse – kulinarische Höhepunkte, die die lokale Identität widerspiegeln.
Chautagne-Weinberge – Terroir und Tradition
Die Weinberge der Chautagne prägen das Landschaftsbild mit ihren charakteristischen Terrassierungen und traditionellen Anbaumethoden, die seit Generationen von Mönchen gepflegt werden. Diese Region ist ein stilles Zeugnis mittelalterlicher Klosterkultur, wo Pilger noch heute in den Dörfern auf Gastfreundschaft treffen, die in dieser Tradition verwurzelt ist.
Le Puy-en-Velay – UNESCO-Weltkulturerbe und Pilgerstadt
Das Endziel der Via Gebennensis ist die berühmte Pilgerstadt Le Puy-en-Velay mit ihrer Kathedrale Notre-Dame du Puy, deren romanische Architektur und die charakteristischen Vulkankegel (Rocher Corneille und Mont Anis) die Stadt zu einem einzigartigen Pilgerort machen. Das gesamte historische Zentrum ist UNESCO-Weltkulturerbe und markiert den Höhepunkt einer spirituellen Reise – hier treffen sich Pilger aus aller Welt, bevor sie ihre Weiterreise nach Santiago antreten.
Isère-Region – Dauphinoise Ebene und Voironnais
Die Ebene der Dauphinoise mit ihren grünen Feldern und Wäldern des Voironnais und Bièvre-Valloire bietet eine meditative Phase der Pilgerreise, in der Pilger nach den Bergaufstieg wieder Ruhe finden. Diese Landschaft ist geprägt von kleinen Kapellen und Wegekreuzen, die von Jahrhunderten lokaler Volksfrömmigkeit zeugen.
Loire und Haute-Loire – Vulkanische Landschaften
In den letzten Etappen durchquert die Via Gebennensis das vulkanisch geprägte Hügelland der Loire und Haute-Loire, wo schwarze Basaltsteine und erloschene Vulkane die Landschaft prägen. Diese geologisch einzigartige Region vermittelt Pilger ein Gefühl für die Kraft der Natur und die Vergänglichkeit – perfekt für die abschließende Phase der inneren Einkehr.
Romanische Kapellen und Hospize – Spirituelle Ankerpunkte
Entlang der gesamten Route finden sich kleine romanische Kapellen und historische Hospize wie das ehemalige Hospiz der Ritter des Heiligen Johannes von Jerusalem in Moissieu sur Dolon. Diese Bauwerke sind stille Zeugen von Hunderten Jahren Pilgergeschichte und bieten Orte der Andacht und Ruhe inmitten der Wanderung.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Als eigenständige, markierte Pilgerroute wurde die **Via Gebennensis** erst im späten 20. Jahrhundert offiziell eingerichtet, als in Frankreich und der Schweiz seit den 1980er‑Jahren zahlreiche Jakobswege neu ausgeschildert und in das europäische Netz integriert wurden. Historisch knüpft sie an die seit dem 12. Jahrhundert belegten Fernwege nach Le Puy-en-Velay an, das bereits im Codex Calixtinus (um 1140) als Ausgangspunkt der Via Podiensis zu Santiago de Compostela erwähnt wird. Genf war spätestens seit dem Hochmittelalter ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Alpenpässen, Rhonetal und Zentralmassiv; Pilger, Händler und Gelehrte nutzten diese Tal- und Passübergänge schon im 12.–14. Jahrhundert, um aus dem deutschsprachigen und schweizerischen Raum nach Frankreich und weiter Richtung Spanien zu gelangen. Die moderne Via Gebennensis verdichtet damit alte lokale Verbindungswege – etwa zu Klöstern wie der Chartreuse de Pomier von 1170 – zu einem zusammenhängenden Pilgerpfad auf dem heutigen GR65 zwischen Genf und Le Puy-en-Velay.
Bedeutung
Im Mittelalter verband der Verkehrs- und Pilgerkorridor zwischen Genf, Rhônetal und Le Puy-en-Velay nordeuropäische Regionen mit der berühmten Pilgerstadt Le Puy, deren Kathedrale Notre-Dame du Puy seit dem 11.–12. Jahrhundert ein zentrales Marien- und Jakobusheiligtum war. Dieser Strom von Pilgern, Kaufleuten und Klerikern förderte den Austausch von Reliquienkulten, liturgischen Formen und Bildern, was sich in der Dichte romanischer und gotischer Kirchen, Kapellen, Klöster und Hospize entlang der heutigen Route widerspiegelt. Klöster wie die 1170 gegründete Chartreuse de Pomier sowie zahlreiche Dorfkirchen des 12. Jahrhunderts bezeugen, wie stark die spirituelle Landschaft durch monastische Reformbewegungen und den Jakobus‑Kult geprägt wurde. Über Le Puy schlossen sich zudem bedeutende Gestalten der Frömmigkeitsgeschichte – Bischöfe, Ordensleute, später auch königliche und adlige Pilger – dem Strom der Jakobspilger an, sodass der heute so benannte Weg als Teil eines größeren Netzes die religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Vernetzung Frankreichs mit dem Alpenraum mittrug.
Heute
Heute gilt die Via Gebennensis als einer der landschaftlich schönsten Jakobswege Frankreichs; sie wird auf etwa 350–360 km Länge als GR65 intensiv begangen und fungiert als wichtigste Verbindung zwischen den Schweizer Jakobswegen und der Via Podiensis. Seit der europaweiten Wiederentdeckung der Jakobswege in den 1980er- und 1990er‑Jahren erlebt auch dieser Abschnitt eine deutliche Renaissance, getragen von lokalen Pilgerinitiativen, Herbergsnetzwerken und spezialisierten Wanderführern. Die Route selbst ist – anders als einzelne Bauwerke in Le Puy – kein eigenes UNESCO‑Welterbe, doch viele moderne Pilger wählen sie bewusst wegen ihrer stilleren, kontemplativen Atmosphäre, der spirituellen Suche abseits überlaufener Hauptwege und der intensiven Erfahrung von Natur, Geschichte und französischer Alltagskultur.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Französisch dominiert, in Genève auch viel Deutsch/Englisch. Nützliche Phrasen: 1. «Bonjour, je suis pèlerin sur la Via Gebennensis.» 2. «Auriez-vous un tampon pour ma crédenciale, s’il vous plaît ?» 3. «Y a‑t‑il un menu du jour ou un plat régional ?» 4. «À quelle heure est la messe des pèlerins demain matin ?»
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Mai–Anfang Juli und September–Oktober
Vor- und Frühling bis Frühsommer sowie der frühe Herbst bieten moderates Wetter, viele geöffnete Unterkünfte und Weinbergsszenen; die Vegetation ist grün, die Temperaturen sind tagsüber angenehm und Nächte nicht zu kalt, was auf den hügeligen, teilweise exponierten Abschnitten der Via Gebennensis vorteilhaft ist.
Meiden
Hochsommer (Juli–August) wegen Hitze in offenen Abschnitten und winterliche Monate (Dezember–März) wegen möglicher Schneefelder/Schlammpassagen in höheren Lagen und geschlossener Infrastruktur.
Highlights
Basilique Notre‑Dame (Genf) – Wegbeginn
Im Startort: markanter Pilgerstempelpunkt und historische Kirche mit Aussicht auf Genfer See; symbolischer Beginn der Via Gebennensis.
Etappe 1 / Genf
Weinlandschaft Jongieux und Coteaux du Bugey
Malerische Weinberge und traditionelle Winzerhöfe zwischen Seyssel und Jongieux; landschaftlicher und kulinarischer Mittelpunkt der frühen Route.
Etappe 4 / Jongieux
Kathedrale Notre‑Dame du Puy und Altstadt von Le Puy‑en‑Velay
Endpunkt der Via Gebennensis: monumental auf dem Basaltkegel gelegene Kathedrale mit Pilgermekka-Atmosphäre und historischen Treppen, wichtig für das Fehlen der Route danach (Übergang zur Via Podiensis).
Letzte Etappe / Le Puy‑en‑Velay
Lokale Küche
Tourte de Saint‑Genix (Brioche mit roten Kirschen)
Boulangerie Patisserie in Saint‑Genix‑sur‑Guiers (zentrales Bäckerei-Café im Ort)
Vor dem Weitergehen frisch kaufen; Saint‑Genix ist Namensgeber der Spezialität und die lokale Bäckerei verkauft oft noch warmes Gebäck, ideal für die Etappen zwischen Jongieux und Les Abrets.
Fromages du Haut‑Forez / Cantal‑Regionalsorten
Marchés locaux in Montfaucon oder Saint‑Jeures (Wochenmarkt‑Stände)
Kaufe klein portionierte Käsestücke auf dem Markt als energiereiche Zwischenmahlzeit vor den letzten Hügelläufen Richtung Le Puy.
Menu paysan mit lokalen Spezialitäten (Galette, Linsen, Coq au vin regional)
Auberge Le Relais oder lokale Gîtes Restaurants in La Côte‑Saint‑André / Revel‑Tourdan
Abendmenus in kleinen Auberges bieten oft regionale Hausmannskost; Reservierung empfohlen an Wochenenden in der Hauptsaison.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- gîtes d'étape und chambres d'hôtes in Dörfern
- kleine Hotels in größeren Orten
- gelegentlich Bergrefuges bzw. einfache Herbergen
Wegmarkierung
Teilweise sehr gut markiert: Kombination aus lokalen Markierungen, Jakobsmuschel-Symbolen und Abschnitten mit GR-Markierung (rot/weiß). Einzelne Verbindungsabschnitte erfordern Karte/GPS.
Geländebeschaffenheit
- wechselnde Wege: Asphalt in Ortschaften, Feld- und Waldwege
- steinige Anstiege in Voralpenabschnitten
- sanft welliges Hügelland im Zentralmassiv
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.