Über den Via Scandinavica
Die Via Scandinavica ist eine bedeutende Pilgerroute in Norddeutschland und führt in dieser Modellierung über rund 573 Kilometer von Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn bis nach Göttingen. Sie verbindet die Küstenlandschaft der Ostsee mit hanseatischen Altstädten und weiten Kulturlandschaften im Binnenland. Die Route durchquert dabei vor allem Schleswig-Holstein und Niedersachsen und bietet ein abwechslungsreiches Mosaik aus Stränden und Küstenwäldern, Backstein- und Fachwerkstädten, Ackerflächen, Heidegebieten und Mischwald.
Die Besonderheit der Via Scandinavica liegt in ihrer kulturellen Vielfalt und der Nähe zu historischen Handels- und Fernwegen, die auch von Pilgern genutzt wurden. Während tagsüber häufig Feld- und Forstwege dominieren, finden Pilger abends in Städten und Dörfern entlang der Strecke Unterkünfte und Versorgungsmöglichkeiten. Die Markierung ist regional unterschiedlich ausgeprägt; in vielen Abschnitten helfen Muschelzeichen und lokale Wanderwegmarkierungen, dennoch sind Karten/GPX besonders außerhalb der Städte empfehlenswert.
Begegnungen mit Einheimischen, regionale Küche und die Mischung aus Natur- und Kulturabschnitten prägen die Etappen. Durch die überwiegend flache bis wellige Topografie eignet sich der Weg für viele Erfahrungsstufen, erfordert aber aufgrund einzelner längerer Etappen und teils dünner Infrastruktur zwischen kleineren Orten eine gute Planung.
Beste Reisezeit
Diese Monate bieten die stabilsten Wetterbedingungen für Nord- und Mitteldeutschland, geringeres Matsch-Risiko auf Heide- und Forstabschnitten und längere Tageslichtstunden für die langen Etappen; vor allem Mai–Juni und Ende August–September werden in Praxisberichten als angenehm genannt.
Meiden: Hochsommer heißer Tage (Juli Hochsommerhitze auf offenen Flächen) und Wintermonate (Dez–Feb) wegen Kälte, Sturm- und Matschgefahr auf Heide- und Feldwegen sowie eingeschränkten Gastgeberangeboten in kleinen Orten
Klima
Highlights
Puttgarden – Startpunkt auf Fehmarn
In Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn beginnt die Route mit maritimem Charakter und guter Anbindung. Der Start ist geprägt von Küstenwind, weitem Horizont und dem Übergang von Insel- zu Festlandslandschaften.
Burg auf Fehmarn – Inselzentrum und erste Pilgerstation
Burg auf Fehmarn ist das historische Zentrum der Insel und ein naheliegendes erstes Etappenziel. Altstadt, Kirche und Versorgungsmöglichkeiten machen den Ort zu einem praktischen und stimmungsvollen Einstieg in die Pilgerreise.
Lübeck – Hansestadt und kulturelles Highlight
Lübeck beeindruckt mit Backsteingotik, dem Holstentor und der UNESCO-geschützten Altstadt. Als historischer Knotenpunkt zwischen Ostsee und Binnenland ist die Stadt ein zentraler Kulturhöhepunkt entlang der Strecke.
Lüneburg – Salzstadt und Altstadtflair
Lüneburg besticht durch seine Salzwirtschaftsgeschichte und eine hervorragend erhaltene Altstadt. Der Kontrast zwischen urbaner Kultur und den Landschaften der Heide-Region prägt diese Station.
Hannover – Urbane Etappe mit guter Infrastruktur
Hannover bietet als Großstadt eine komfortable Versorgungs- und Übernachtungsbasis. Marktkirche, Altstadtbereiche und Grünanlagen setzen kulturelle Akzente inmitten einer ansonsten ländlich geprägten Route.
Göttingen – Ziel in der Universitätsstadt
Göttingen bildet den Endpunkt dieser Etappenliste. Historischer Marktplatz, Universitätstradition und das Gänseliesel sind prägende Ankunftspunkte für Pilger.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Die historische Via Scandinavica geht auf die mittelalterlichen Routen zurück, über die seit dem 12. Jahrhundert Pilger aus Dänemark, Schweden und Norwegen über den Fehmarnbelt nach Deutschland übersetzten, um nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela weiterzureisen. Ein erstes klares Zeugnis ist die 1198 urkundlich erwähnte Dankeskapelle „capella sanctori Petri et Pauli“ am Strand von Fehmarn, die ausdrücklich Rom‑, Jakobus‑ und Jerusalempilger aus Skandinavien beherbergte. Im Hochmittelalter nutzten die Pilger bestehende Handels‑ und Heerstraßen wie die Alte Salzstraße zwischen Lübeck und Lüneburg sowie Fernwege Richtung Mölln und weiter nach Süden, wodurch sich ein zusammenhängender Nord‑Süd‑Pilgerkorridor bis in den Raum Eisenach herausbildete. Die heute so benannte Via Scandinavica wurde in den 2000er‑Jahren auf Grundlage dieser historischen Routen rekonstruiert und 2010 durch den neu markierten Abschnitt auf Fehmarn offiziell geschlossen, sodass der mittelalterliche Anschluss Skandinaviens an das kontinentale Jakobusnetz wieder erlebbar wurde.
Bedeutung
Im Mittelalter war die Via Scandinavica als nördliche Zubringerroute Teil des europaweiten Jakobswegenetzes und verband die aufstrebenden Handels‑ und Hansestädte an der Ostsee mit den großen Pilgerzentren Mitteleuropas. Städte wie Lübeck, das im 13.–15. Jahrhundert als „Tor zum Norden“ im Hansebund eine Schlüsselrolle spielte, prägten den Weg mit monumentaler Backsteingotik – etwa den großen Stadtkirchen und Hospitälern, die Pilger aufnahmen und damit Architektur, Kunststiftungen und Reliquienkulte förderten. Über Mölln, Lüneburg und die Alte Salzstraße trafen sich Pilger‑ und Kaufmannsströme, wodurch sich ein intensiver Austausch von Waren, Heiligenverehrungen, Bildwerken und liturgischen Formen zwischen Skandinavien und dem Reich entwickelte. In Eisenach schließlich kreuzte der Weg später geistige Bewegungen wie die Reformation – Martin Luthers Aufenthalt auf der Wartburg 1521/22 und die Georgenkirche als Predigt‑ und Taufkirche knüpfen die Via Scandinavica an eine der bedeutendsten religiösen Umbruchsphasen der Neuzeit an.
Heute
Heute führt die rund 650–655 km lange Via Scandinavica von Fehmarn über Lübeck, Lüneburg, Hannover und Göttingen bis in den Raum Eisenach und gilt als eine der wichtigsten Nord‑Süd‑Achsen der Jakobswege in Deutschland, ohne jedoch selbst UNESCO‑Welterbe zu sein (wohl aber mit Welterbestätten wie der Lübecker Altstadt auf der Route). Seit den 1990er‑ und 2000er‑Jahren erlebt sie im Zuge der allgemeinen Wiederentdeckung des Jakobswegs eine deutliche Renaissance; mit der offiziellen Beschilderung und der Schließung der Lücke auf Fehmarn im Jahr 2010 wurde sie auch touristisch und spirituell neu belebt. Genaue Pilgerzahlen werden nicht systematisch erhoben, doch kirchliche und regionale Initiativen berichten von kontinuierlich wachsenden Gruppen aus Deutschland und Skandinavien, die den Weg vor allem als Kombination aus historischer Spurensuche, religiöser/innerer Einkehr und naturnaher, entschleunigter Reise wählen.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Deutsch (norddeutscher Dialekt, in Göttingen eher Hochdeutsch) Nützliche Phrasen: - „Moin!“ – norddeutscher Gruß, ganztägig verwendbar - „Wo bekomme ich einen Pilgerstempel?“ – Frage nach Stempelstelle - „Haben Sie eine einfache Pilgerunterkunft für eine Nacht?“ – Unterkunftssuche - „Guten Weg und Gottes Segen!“ – religiöser Pilgergruß
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Spätes Frühjahr bis früher Herbst (Mai–September)
Diese Monate bieten die stabilsten Wetterbedingungen für Nord- und Mitteldeutschland, geringeres Matsch-Risiko auf Heide- und Forstabschnitten und längere Tageslichtstunden für die langen Etappen; vor allem Mai–Juni und Ende August–September werden in Praxisberichten als angenehm genannt.
Meiden
Hochsommer heißer Tage (Juli Hochsommerhitze auf offenen Flächen) und Wintermonate (Dez–Feb) wegen Kälte, Sturm- und Matschgefahr auf Heide- und Feldwegen sowie eingeschränkten Gastgeberangeboten in kleinen Orten
Highlights
Fehmarn: Fehmarnsundbrücke und Peter-und-Paul-Kapelle
Symbolischer Startpunkt mit der Fehmarnsundbrücke ("Kleiderbügel") und der Peter-und-Paul-Kapelle direkt am Weg; guter Start- und Versorgungsort.
Etappe 1 / Fehmarn (Puttgarden–Burg)
Lüneburger Heide: Hösseringen–Eschede Heidepassage
Lange Kiefernwälder und sandige Geestlandschaft mit St. Johannis Kirche in Eschede als markantem Punkt; schöne, schattenreiche Waldabschnitte.
Etappe ca. 14 / Hösseringen–Eschede
Lokale Küche
Fischbrötchen / Frischer Ostseefisch
Imbiss- und Hafenstände in Burg auf Fehmarn oder Puttgarden
Früh am Morgen frischen Räucherfisch probieren; an Wochenenden ist der Hafen in Burg gut sortiert und bietet lokale Räucherfischvarianten.
Heidschnucke / Lüneburger Heide-Gerichte
Gasthaus in Hösseringen oder Eschede (lokale Landgasthöfe entlang Etappe Hösseringen–Eschede)
Regionale Schäfergerichte/Heidschnucken-Spezialitäten in kleinen Landgasthöfen bestellen; viele Gastgeber bieten saisonale Heide-Gerichte an.
Thüringer Rostbratwurst
Imbiss/Metzgereien in Eisenach/Hörschel oder Creuzburg
Am Wegende in Creuzburg/Eisenach lokale Metzgereien aufsuchen; Bratwurst mit regionalem Brot in Bahnhofsnähe ist typisches Abschlussessen
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen und einfache Gästezimmer
- Privatpensionen/Gasthöfe
- Hotels (kleine bis mittlere Kategorie)
- Ferienwohnungen / B&B
- Vereinzelt Klöster und kirchliche Gästehäuser
Wegmarkierung
Regional unterschiedlich markiert: an vielen Abschnitten gelbe Jakobsmuschel oder Pfeile, örtliche Wanderwegkennzeichnungen und rote/weiße Balken im Mischbetrieb. GPX empfohlen, Beschilderung in Städten besser, auf Landstraßen stellenweise spärlich.
Geländebeschaffenheit
- Küstenabschnitte mit Strandpromenaden und Dünenpfaden
- asphaltierte Dorf- und Feldwege
- geschotterte Forst- und Feldwege
- leichte Hügel im südlichen Abschnitt (Wald- und Wiesenpfade)
- vereinzelt Treppen und Pflaster in Altstädten
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.