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Via Turonensis

Jakobsweg von Paris und Tours durch Westfrankreich nach Saint-Jean-Pied-de-Port.

Distanz
930
km
Dauer
34-45
Tage
Aufstieg
12000
m

Über den Via Turonensis

Die Via Turonensis ist der nördlichste und längste der vier großen französischen Jakobswege, benannt nach der Stadt Tours an der Loire, wo die Grabstätte des heiligen Martins seit dem 4. Jahrhundert Pilger anzieht – noch älter als Santiago de Compostela selbst.

Von Paris oder Orléans startend, führt diese etwa 900 Kilometer lange Route durch das Herz Westfrankreichs und verbindet drei völlig unterschiedliche Landschaften: zunächst die sanften Weinberge und Ackerflächen der Beauce und Touraine mit ihren gotischen Kathedralen wie dem UNESCO-Weltkulturerbe von Chartres, dann die hügeligen Bocage-Landschaften mit romanischen Kirchen und mittelalterlichen Marktstädten wie Poitiers und Saintes, bevor der Weg schließlich in waldreiche Gascon-Dörfer und die Vorstufen der Pyrenäen führt. Diese Route unterscheidet sich fundamental von anderen Jakobswegen: Sie ist größtenteils flach und damit ideal für Anfänger und Radfahrer, doch keineswegs weniger spirituell – stattdessen bietet sie eine intimere, weniger überlaufene Pilgerfahrt mit reichlich romanischer Baukunst, regionaler Küche und authentischen französischen Dörfern.

Die Via Turonensis war nicht nur Pilgerpfad, sondern auch Handelsstrecke, und diese duale Geschichte prägt jeden Kilometer: Pilger begegnen hier nicht nur religiösen Stätten, sondern auch den Zeugnissen einer lebendigen Kulturlandschaft, wo Weinbau, Handwerk und lokale Traditionen bis heute die Identität der Regionen bestimmen.

christlich historisch landschaft

Beste Reisezeit

Mildes Klima im Loire-Tal und Baskenland ohne extreme Hitze, ideale Bedingungen für flache Etappen von Paris bis Ostabat-Asme.

Mai Jun

Meiden: Juli-August wegen Pilgermassen und Unterkunftsengpässen in Saint-Jean-Pied-de-Port

Klima

Frühling Ideal für Wanderungen
Sommer Warm, teils heiß
Herbst Angenehm, goldene Farben

Highlights

Kathedrale Notre-Dame de Chartres

Die gotische Kathedrale von Chartres zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtszielen Frankreichs und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Mit ihren charakteristischen blauen Glasfenstern und dem einzigartigen Labyrinth im Fußboden verkörpert sie die spirituelle Essenz des Mittelalters. Die alternative Route über Chartres ermöglicht es Pilgern, diese architektonische Meisterwerk zu besuchen, bevor sie sich der Hauptroute anschließen.

Basilika Saint-Martin in Tours

Tours gilt als noch älterer Pilgerort als Santiago de Compostela, da hier die Grabstätte des heiligen Martins aus dem 4. Jahrhundert liegt. Die Basilika ist für viele Pilger ein wichtiger spiritueller Anlaufpunkt und markiert den Wendepunkt, wo die Chartres-Variante in die Hauptroute der Via Turonensis übergeht. Die Stadt an der Loire war Zentrum des frühen Christentums in Westfrankreich.

Loire-Tal und Weinregion Touraine

Zwischen Tours und Vouvray durchquert der Weg das berühmte Weinbaugebiet der Touraine mit sanften Hügeln und Weinbergen. Vouvray ist besonders bekannt für seine Weißweine und die vielen alten Weinkeller, die teilweise in Felsengewölben aus dem Mittelalter untergebracht sind. Diese Etappe verbindet landschaftliche Schönheit mit gastronomischen Genüssen.

Turm Saint-Jacques in Paris

Der Turm Saint-Jacques im Pariser Viertel Châtelet–Les Halles bildet den symbolischen Startpunkt der Via Turonensis in unmittelbarer Nähe zur weltberühmten Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dieser gotische Turm aus dem 16. Jahrhundert war ursprünglich Teil der Kirche Saint-Jacques-la-Boucherie und diente Pilgern als Orientierungspunkt für ihren Aufbruch gen Süden. Er steht heute als Denkmal für die lange Tradition der Jakobspilgerschaft.

Romanische Kirchen des Bocage

Zwischen Poitiers und Saintes prägen zahlreiche kleine romanische Kirchen, Klöster und historische Marktplätze die Route. Diese Bauwerke stammen teilweise bis ins Mittelalter zurück und zeigen die charakteristische Architektur der Poitou-Romanik mit ihren massiven Gewölben und kunstvollen Kapitellen. Jedes Dorf scheint sein eigenes spirituelles Kleinod zu bewahren.

Abbaye des Dames in Saintes

Die Abbaye des Dames in Saintes mit ihren gepflasterten Straßen ist ein bedeutendes romanisches Bauwerk und wichtige Station auf der Via Turonensis. Das Kloster wurde im 11. Jahrhundert gegründet und zeigt die reiche monastische Tradition der Region. Die Stadt Saintes selbst bewahrt römische Überreste und mittelalterliche Architektur.

Parc Naturel de la Haute Vallée de Chevreuse

In den ersten Etappen führt die Route durch diesen Naturpark nördlich von Paris mit seinen Wäldern und sanften Hügellandschaften. Diese waldreiche Umgebung bietet Pilgern Momente der Stille und Reflexion unmittelbar nach dem Aufbruch aus der Großstadt. Der Übergang von urbaner zu natürlicher Landschaft prägt das spirituelle Erlebnis dieser frühen Etappen.

Beauce-Ebene und Ackerlandschaften

Die weiten Felder der Beauce zwischen Paris und Orléans prägen das Landschaftsbild mit ihrer endlosen Horizontlinie. Diese flachen Ackerlandschaften waren historisch die Kornkammer Frankreichs und ermöglichen es Pilgern, lange Tagesetappen in meditativer Atmosphäre zu gehen. Die Monotonie der Landschaft fördert die innere Einkehr und Kontemplation.

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