Über den Cammino Materano
Der Cammino Materano ist kein einzelner, durchgehend historisch überlieferter Pilgerweg, sondern ein modernes Wegenetz, das seit dem frühen 21. Jahrhundert aus bestehenden Verbindungswegen, Tratturi und lokalen Pfaden zu mehreren Routen nach Matera gebündelt wurde.
Eine der bekanntesten Linien ist die Via Peuceta (Bari–Matera) mit rund 170 Kilometern: Sie verbindet die adriatische Hafenstadt Bari – mit der Basilika San Nicola als bedeutendem spirituellen Bezugspunkt – mit der Felsenstadt Matera. Unterwegs wechseln sich urbane Abschnitte, Olivenhaine, Wirtschaftswege und die weite Karstlandschaft der Murgia ab; dazu kommen rupestrische Kirchen, Masserien und kleine Orte, in denen sich die religiöse und ländliche Kultur Süditaliens verdichtet.
Der Weg vermittelt Spiritualität weniger über große Heiligtümer als über die Erfahrung der Landschaft: die offene Weite der Alta Murgia, die Gravine-Schluchten und die in den Tuff gehauenen Kultstätten rund um Matera. Matera selbst, Ziel vieler Varianten des Cammino Materano, ist mit den Sassi seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe und war 2019 Europäische Kulturhauptstadt – ein Ort, an dem sich Naturraum, Baugeschichte und religiöse Tradition auf einzigartige Weise überlagern.
Beste Reisezeit
Angenehme Temperaturen, blühende macchia und Olivenhaine im Frühling sowie geringere Hitze und touristische Besucherzahlen im Herbst; diese Perioden reduzieren Risiken in exponierten Gravina-Passagen und erlauben Zugriff auf geöffneten Agriturismi und Restaurants.
Meiden: Juli–August wegen hoher Temperaturen und geschlossener ländlicher Unterkünfte; sowie Dezember–Februar bei möglichem Regen und schlammigen Karstpfaden
Klima
Highlights
Basilika San Nicola in Bari
Der Startpunkt des Cammino Materano ist eine der bedeutendsten Pilgerstätten des Mittelmeerraums. Die Basilika wurde 1087 erbaut, um die Reliquien des heiligen Nikolaus zu beherbergen, und ist ein Meisterwerk der romanischen Architektur mit charakteristischen Arkaden und einem imposanten Campanile. Von hier aus begannen Pilger auf dem Weg nach Jerusalem.
Balsignano-Komplex
Dieses befestigte Benediktinerkloster in Modugno stammt aus dem 10.-11. Jahrhundert und umfasst eine Stadtmauer, eine Burg, zwei Kirchen und ein Kloster. Der Komplex ist ein faszinierendes Zeugnis der frühmittelalterlichen Architektur und zeigt die defensive Notwendigkeit religiöser Siedlungen in dieser Zeit.
Krypta der Erbsünde
Diese rupestre Kirche zwischen Picciano und Matera ist berühmt für ihre außergewöhnlichen Freskenmalereien auf den Felswänden, die aus dem 8.-9. Jahrhundert stammen. Die Malereien – darunter Szenen der Apostel und Heiligen – sind so beeindruckend, dass die Krypta die "Sixtinische Kapelle der Felsen" genannt wird. Eine Reservierung ist notwendig.
Murgia-Hochebene
Diese Karstlandschaft ist eine der wichtigsten Steppengebiete Italiens und erstreckt sich über weite Teile der Route. Die Hochebene ist charakterisiert durch Flechten, Moose, wilde Orchideen und das seltene "Fee-Flachs", das der Landschaft eine einzigartige und evokative Schönheit verleiht.
Altamura mit Kathedrale
Diese mittelalterliche Stadt ist ein wichtiger Etappenpunkt und bekannt für ihre imposante romanische Kathedrale mit kunstvollen Fassaden. Altamura war ein bedeutendes Handelszentrum und Sitz von Bischöfen, was sich in der Architektur der Altstadt widerspiegelt.
Benediktiner-Heiligtum Picciano
Dieses Heiligtum thront auf einem Hügel und war seit dem Mittelalter ein wichtiger Pilgerort. Die Kirche ist dem heiligen Michael gewidmet und war eines der bedeutendsten Zentren der Michaels-Verehrung im antiken Apulien. Der Aufstieg von über 3 Kilometern zur Kirche ist eine der herausforderndsten Etappen des Camino.
Matera – Stadt der Sassi
Das Ziel der Pilgerschaft ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Welt. Die Sassi – die Höhlensiedlungen aus Stein – wurden seit der Jungsteinzeit bewohnt und bilden ein labyrinthisches Netzwerk von Wohnhöhlen, Kirchen und Plätzen. Seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe und 2019 Europäische Kulturhauptstadt.
Palombaro Lungo
Diese große in Tuffstein gegrabene Wasserzisterne in Matera ist ein technisches Meisterwerk der Antike. Mit einer Tiefe von über 10 Metern und elliptischer Form war sie essentiell für die Wasserversorgung der Stadt in einer niederschlagarmen Region.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der heutige Cammino Materano ist kein durchgehend überlieferter mittelalterlicher Pilgerweg, sondern wurde als zusammenhängende Route erst im frühen 21. Jahrhundert von lokalen Vereinen und Gemeinden konzipiert und markiert; er basiert jedoch auf einem Netz alter Verbindungswege zwischen Bari, der Murgia und Matera. Historische Wurzeln reichen bis ins 11. Jahrhundert, als in Bari die Basilika San Nicola (Baubeginn kurz nach der Ankunft der Reliquien 1087, Fertigstellung im frühen 12. Jh.) zum großen Wallfahrtszentrum für die Verehrung des heiligen Nikolaus wurde und Gläubige aus ganz Europa und vom östlichen Mittelmeerraum anzog. Parallel dazu entwickelte sich Matera mit ihren Felsenkirchen und den in den Tuff gehauenen Siedlungen (Sassi, teilweise seit frühmittelalterlicher Zeit genutzt) zu einem regionalen religiösen und monastischen Zentrum in der Grenzregion zwischen Apulien und der Basilikata. Über Jahrhunderte nutzten Bauern, Händler, Mönche und Pilger die alten Trassen über die Hochebene der Murgia, doch erst die Wiederentdeckung der historischen Landschaft und Materas Aufstieg zum UNESCO‑Welterbe 1993 sowie zur Europäischen Kulturhauptstadt 2019 gaben den Anstoß, diese Wege ab etwa den 2010er‑Jahren als „Cammino Materano“ neu zu bündeln und als Pilgerweg zu erschließen.
Bedeutung
Im Mittelalter war vor allem Bari mit der Basilika San Nicola – errichtet im 11. Jahrhundert nach der Überführung der Reliquien 1087 – einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Süditaliens, an dem sich byzantinische, lateinische und slawische Frömmigkeit mischten; die heutigen Etappen des Cammino Materano greifen diese historische Rolle als maritime Pilgerdrehscheibe an der Adria wieder auf. Die Region, die der Weg durchquert, war von Benediktinerklöstern, mittelalterlichen Wehrbauernhöfen (etwa dem zwischen 10. und 11. Jahrhundert entstandenen befestigten Komplex von Balsignano) und Felsenkirchen geprägt, in denen sich lokale Frömmigkeit, byzantinische Ikonographie und westliche Romanik verbanden und so Kunst und Sakralarchitektur der Murgia dauerhaft formten. Persönlichkeiten wie Friedrich II. von Hohenstaufen, der im 13. Jahrhundert die Stadtstruktur von Altamura neu ordnete und die Kathedrale Santa Maria Assunta stiftete, prägten die urban‑kirchliche Landschaft entlang der heutigen Route und schufen damit wichtige Etappenorte, die noch heute das Bild des Cammino Materano bestimmen. Auch die in eine Höhle gemalte „Krypta der Erbsünde“, oft als „felsene Sixtinische Kapelle“ bezeichnet, dokumentiert die mittelalterliche Verbindung von Pilgerfrömmigkeit, kontemplativer Einsamkeit und ländlicher Religiosität, die bis in die Gegenwart in den Felsheiligtümern um Matera nachwirkt.
Heute
Der Cammino Materano mit seinen Teilrouten wie der rund 170 km langen Via Peuceta (Bari–Matera) oder der Via Ellenica (Brindisi–Matera) ist ein bewusst neu angelegter Pilger- und Kulturweg, der seit den 2010er‑Jahren rasant an Bekanntheit gewinnt und inzwischen jedes Jahr wachsende Zahlen an Wanderern und Pilgern – darunter viele internationale Gäste – anzieht. Laut Vatican News wird der Cammino Materano als „noch recht junger Pilgerweg“ beschrieben, auf dem Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen; ehrenamtliche Wegbetreuerinnen wie Rosa Grassi berichten, dass immer mehr Pilger – besonders im Hinblick auf das Heilige Jahr 2025 – auf dieser Route unterwegs sind. Zwar ist nicht der Weg selbst UNESCO‑Welterbe, doch sein Ziel, die Stadt Matera mit ihren Sassi und Felsenkirchen, steht seit 1993 auf der Welterbeliste und fungiert als starker Anziehungspunkt für moderne Pilger, die spirituelle Suche, Naturerlebnis, Kunstgeschichte und die Wiederentdeckung einer alten Kulturlandschaft verbinden möchten.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Italienisch (Dialekt: apulisch/lukanisch). Nützliche Phrasen: 1. "Buon cammino!" – Gute Pilgerreise! 2. "Posso assaggiare questo?" – Kann ich das probieren? 3. "C’è una fontana / un bar vicino?" – Gibt es eine Wasserstelle / Bar in der Nähe? 4. "Un piatto tipico della zona, per favore" – Ein typisches Gericht der Gegend, bitte.
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Frühling (Mitte März bis Ende Mai) und Herbst (September bis Anfang November)
Angenehme Temperaturen, blühende macchia und Olivenhaine im Frühling sowie geringere Hitze und touristische Besucherzahlen im Herbst; diese Perioden reduzieren Risiken in exponierten Gravina-Passagen und erlauben Zugriff auf geöffneten Agriturismi und Restaurants.
Meiden
Juli–August wegen hoher Temperaturen und geschlossener ländlicher Unterkünfte; sowie Dezember–Februar bei möglichem Regen und schlammigen Karstpfaden
Highlights
Sassi di Matera (Felsstadt Matera)
UNESCO-Weltkulturerbe mit den aus Tuff gehauenen Sassi-Höhlenkirchen wie Santa Maria de Idris und Aussichtspunkten über die antiken Behausungen
Ende der Route / Matera (letzte Etappe)
Gravina-Schluchten und Aquäduktbrücke bei Castellaneta
Dramatische Karstschluchten mit historischen Steinbrücken und der Aquäduktbrücke, die als Kulisse für Filmaufnahmen diente (Via Appia-Anschlusspunkt)
Etappe um Palagianello → Castellaneta / Gravina
Altamura – Kathedrale und Pane di Altamura
Historisches Zentrum mit der Kathedrale Madonna della Bruna und lokalem traditionellen Hartweizenbrot (Pane di Altamura) sowie belebten Piazza-Bereichen
Etappe zwischen Murgia-Abschnitten / Altamura
Lokale Küche
Pane di Altamura & frisch gebackenes Focaccia
Bäckereien in Altamura (z. B. historische Forni im Zentrum nahe der Kathedrale)
Abendlicher Einkauf in Altamura vor Weiterweg — Brot oft morgens frisch; lokale Pilger empfehlen eine Nacht in Altamura, um frisches Brot zu probieren und Vorräte zu ergänzen.
Orecchiette mit Ragù oder Cime di Rapa
Trattorie in Cassano delle Murge oder Santeramo in Colle (lokale Osterien nahe der Piazza)
Suche einfache 'osteria' in der Altstadt; viele Servieren hausgemachte Orecchiette mit lokalem Olivenöl und Primitivo-Wein aus der Region.
Lucanische Wurstwaren und Käse (Capocollo, Pecorino locale)
Masseria-Rastplätze und Agriturismi entlang der Murgia (z. B. Masseria Scalera, lokale Agriturismi zwischen Gravina und Matera)
Bei Ankunft in einer Masseria nach lokalen Formaggi und eingelegtem Gemüse fragen — oft hausgemacht und ideal als Proviant für die Etappe.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- B&B und kleine Hotels in Ortschaften
- Agriturismi und Masserie entlang der Route
- Pilgerfreundliche Pensionen in Matera und Altamura
Wegmarkierung
Teilweise markiert; lokale Marker, gelbe Pfeile und Hinweisschilder wechseln mit unmarkierten Abschnitten. GPX oder lokale Wegführer empfohlen.
Geländebeschaffenheit
- Karstplateau (Murgia) mit Kalksteinboden
- Schotter- und Feldwege, kurze Asphaltabschnitte
- Einige steinige, rutschige Pfade bei Rupestrik-Stätten
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.