Über den St. Olavsweg
Der St. Olavsleden gehört zu den nördlichsten großen Pilgerwegen Europas und verbindet die schwedische Ostküste bei Selånger mit dem Nidarosdom in Trondheim. Je nach Varianten und Etappeneinteilung umfasst die Route rund 600 Kilometer; in diesem Eintrag ist sie mit 33 Tagesetappen (ca.
601 km) beschrieben. Historisch knüpft der Weg an die Olavstradition rund um König Olav Haraldsson an, der 1030 in der Schlacht von Stiklestad fiel und dessen Grab in Nidaros (Trondheim) zum wichtigsten Wallfahrtsziel des Nordens wurde. Charakteristisch ist die Landschaftstransformation: von Küsten- und Flussnähe bei Sundsvall/Selånger über lange Wald- und Moorpassagen in Medelpad und Jämtland, weiter durch die Seenlandschaften rund um Östersund/Frösön bis in die Fjäll- und Grenzregion bei Åre–Skalstugan–Storlien.
Auf norwegischer Seite folgt der Weg dem Tal- und Kulturlandschaftsraum in Trøndelag (u.a. Meråker/Stjørdal), bevor er über Stiklestad schließlich Trondheim erreicht. Die Route ist weniger urban geprägt als viele klassische Pilgerwege: lange Abschnitte auf Forst- und Wirtschaftswegen, wechselhaftes Wetter in den Fjälllagen und teils größere Versorgungsabstände machen sie zu einer stillen, naturnahen Pilgerreise mit spürbarer Weite.
Beste Reisezeit
Schneefrei auf Dovrefjell und Gudbrandstal, ideale Bedingungen für Hochgebirge und Täler mit langen Tagen.
Meiden: Oktober bis Mai wegen Schnee und Vereisung auf Dovrefjell
Klima
Highlights
Selånger – Startpunkt an der Bottensee
Der Pilgerweg beginnt in diesem kleinen Ort der Gemeinde Sundsvall an der schwedischen Ostküste an der Bottensee. Von hier aus führt die erste Etappe über 14 Kilometer nach Matfors und markiert den symbolischen Anfang einer Reise, die sich über zwei Länder bis zum Atlantik erstreckt.
Frösön und die Runensteine
Auf der Etappe Östersund – Åre (120 km) führt eine Brücke zur Insel Frösön, benannt nach der nordischen Göttin Freyr. Hier finden sich antike Runensteine aus vorchristlichen Zeiten, die an die heidnische Vergangenheit Skandinaviens erinnern und eine spirituelle Kontinuität über Jahrtausende hinweg bezeugen.
Tegeforsen Wasserfall bei Duved
Im Abschnitt Åre – Stiklestad (112 km) durchquert der Weg das Indalsälven Tal und führt an riesigen Rentierweiden vorbei. Ein Seitenweg führt zum beeindruckenden Tegeforsen Wasserfall, wo sich eine hölzerne Kirche mit gotischer Architektur erhebt – ein unvergessliches Zusammenspiel von Natur und Spiritualität.
Stiklestad – Schauplatz der Heiligenlegende
Stiklestad ist der vielleicht wichtigste Punkt der gesamten Pilgerreise: Hier fiel der Heilige Olav Haraldsson am 29. Juli 1030 in der Schlacht gegen ein Bauernheer. Dieser historische Ort ist heute ein zentraler Pilgerplatz zur inneren Einkehr und zum Austausch mit anderen Pilgern, die das Ende ihrer Reise nahen sehen.
Der norwegische Grenzübergang – Riksgränsen
Die Etappe Skalstugan – Riksgränsen – Sul (23 km) markiert den Übergang von Schwedens gemächlichen Wegen zu Norwegens wildem Gebirgsgelände. Hier verändern sich nicht nur Landschaft und Wegbeschaffenheit dramatisch, sondern auch die innere Erfahrung des Pilgers – die Wildnis wird unmittelbarer und die Anforderungen intensiver.
Nidarosdom in Trondheim – das Ziel
Nach 29 Etappen und etwa 580 Kilometern erreicht der Pilger schließlich Trondheim und den Nidarosdom, eines der wichtigsten Heiligtümer des Nordens. Dieser gotische Dom, erbaut über dem Grab des Heiligen Olav, ist das spirituelle Ziel aller Pilger und markiert die Vollendung einer transformativen Reise.
Östersund – die größte Stadt auf der Route
Nach etwa 200 Kilometern erreicht der Pilger Östersund (Etappe 10-12), die größte Stadt auf dem schwedischen Abschnitt. Mit ihrem Flughafen und ihrer Infrastruktur bietet sie einen wichtigen Ankerpunkt, bevor die Route in die einsamer werdenden Landschaften des Nordens führt.
Jämtland Seenplatte – die Stille der nordischen Seen
Der Abschnitt zwischen Brunflo und Åre (etwa Etappen 10-18) führt durch die berühmte Jämtland Seenplatte mit ihren unzähligen Seen und Moorlandschaften. Diese Region verkörpert die charakteristische nordische Wildnis mit ihrer Stille, ihren Weiten und einer fast meditativen Qualität.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der St. Olavsweg entstand im 11. Jahrhundert als Pilgerroute zum Grab des norwegischen Königs Olav II. Haraldsson, der am 29. Juli 1030 in der Schlacht von Stiklestad fiel und bereits 1031 heiliggesprochen wurde. Über seinem Grab in Nidaros (dem heutigen Trondheim) wurde zunächst eine hölzerne Kapelle errichtet, bevor um 1070–1090 der steinerne Nidarosdom als monumentale Grab- und Wallfahrtskirche begann. Die Wunderberichte am Grab und die offizielle Errichtung der Kirchenprovinz Nidaros durch Papstgesandten Nikolaus Breakspeare 1152/1154 machten Nidaros zum zentralen Pilgerziel Nordeuropas und gaben dem Weg seine kirchenpolitische Bedeutung. Der schwedisch‑norwegische St. Olavsleden folgt zugleich dem letzten Kriegszug Olavs aus dem Exil, der an der Küste bei Selånger (nahe dem heutigen Sundsvall) anlandete und über Mittelschweden nach Stiklestad und Nidaros zog, wodurch sich aus einem Herrscherweg ein sakraler Pilgerweg entwickelte.
Bedeutung
Vom 11. Jahrhundert bis zur Reformation 1537 galt der Olavsweg als der wichtigste Pilgerweg des Nordens; die Wallfahrt nach Nidaros wurde in spätmittelalterlichen Quellen spirituell mit Reisen nach Rom oder Santiago de Compostela auf eine Stufe gestellt. Der Zustrom von Pilgern förderte den Ausbau des Nidarosdoms zur nördlichsten gotischen Kathedrale Europas, den Bau von Kirchen, Hospizen und Wegeinfrastruktur entlang der Route sowie die Entstehung von Kunstwerken wie Reliquiaren, Skulpturen und Altären zu Ehren des heiligen Königs. Handelsplätze und Siedlungen an der Strecke – von Selånger an der schwedischen Küste über die Pässe Mittelschwedens bis zum Dovrefjell und den Tälern Norwegens – profitierten wirtschaftlich von Pilgerströmen, Herbergen und Marktverkehr. Bedeutende Persönlichkeiten wie König Olav II. selbst, sein Nachfolger Olav Kyrre († 1093) als Gründer der steinernen Kirche, Erzbischof Øystein Erlendsson (1161–1188) als Bauherr des Doms und der päpstliche Legat Nikolaus Breakspeare (später Papst Hadrian IV.) prägten den Weg und machten ihn zu einem Symbol für die Christianisierung und das Königtum in Skandinavien.
Heute
Mit der Einführung der lutherischen Reformation in Norwegen 1537 brach die traditionelle Wallfahrt abrupt ab; erst die Wiederentdeckung und offizielle Wiedereröffnung des Olavswegs 1997 leitete eine Renaissance ein, die 2010 in der Anerkennung als „Europäische Kulturstraße“ gipfelte. Heute führt der St. Olavsleden von Selånger in Schweden nach Trondheim in Norwegen über rund 580–640 Kilometer, und jährlich machen sich – je nach Abschnitt – einige Tausend Pilger und Weitwanderer auf den Weg, um Landschaft, Geschichte und eine stille, oft sehr persönliche Spiritualität zu erleben. Moderne Pilgerinnen und Pilger werden weniger von Ablassvorstellungen als von der Suche nach Sinn, innerer Ruhe und einer Verbindung zur nordischen Geschichte und Natur motiviert, während Kirche, Tourismus und lokale Gemeinden den Weg als identitätsstiftendes Kulturerbe pflegen, auch wenn er bisher nicht als UNESCO‑Welterbe eingetragen ist.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprachen: Schwedisch (in Selånger–Borgsjö), Norwegisch (in Trøndelag/Trondheim). Nützliche Phrasen: 1. Schwedisch: "Hej, jag är pilgrim på S:t Olavsleden" – Guten Tag, ich bin Pilger auf dem St.-Olavsweg. 2. Schwedisch: "Var kan jag fylla på vatten?" – Wo kann ich Wasser nachfüllen? 3. Norwegisch: "Hvor går veien til Nidarosdomen?" – Wie komme ich zum Nidarosdom? 4. Norwegisch: "Kan jeg få dagens rett, takk?" – Bekomme ich das Tagesgericht, bitte?
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
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Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Juni bis August
Schneefrei auf Dovrefjell und Gudbrandstal, ideale Bedingungen für Hochgebirge und Täler mit langen Tagen.
Meiden
Oktober bis Mai wegen Schnee und Vereisung auf Dovrefjell
Highlights
Selånger kyrka
Traditioneller Startpunkt des St. Olavsleden nahe Sundsvall; historischer Ort mit Pilgerbezug und guter Einstimmung auf die Route.
Selånger (Sundsvall) / Start
Frösön & Östersund (Storsjön)
Kultur- und Naturhöhepunkt am Storsjön: Insel Frösön, Ausblicke und städtische Infrastruktur in Östersund als wichtiger Zwischenstopp.
Östersund/Frösön
Storlien & Fjäll-Grenzregion
Klassischer Grenzort im Fjäll mit markantem Landschaftswechsel und oft wechselhaftem Wetter – einer der eindrücklichsten Abschnitte der Route.
Skalstugan–Storlien / Grenze SE-NO
Stiklestad
Zentrale Erinnerungsstätte an die Schlacht von 1030 und wichtiger spirituell-historischer Punkt kurz vor Trondheim.
Trøndelag / nahe Verdal
Nidarosdom
Ziel des Wegs mit St. Olavs Schrein, prächtige Kathedrale als Nationalheiligtum; dreimal umrunden vor Betreten.
Trondheim / Etappe Ende
Lokale Küche
Saisonale Gerichte von Mittelalter-Bauernhöfen
Gudbrandsdalen-Höfe entlang des Wegs
Kulinarische Erlebnisse mit lokalen Zutaten auf Pilgerübernachtungen.
Gemütliche Café-Spezialitäten
Östersund auf Frösön-Insel
Pause mit Blick auf Skyline in Cafés der lebendigen Stadt.
Regionale Produkte
Lillehammer und Gudbrandsdalen
Probieren in Dörfern mit kulturellem Erbe entlang des Mjøsa.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen/privat betriebene Stugor
- STF-Hostels (Schweden) und DNT-Hütten in Norwegen
- Hotels und Gasthäuser in Orten wie Östersund oder Åre
- Campingplätze, einfache Schlafplätze in Kirchen/Praktikantenhäusern
Wegmarkierung
Guter Wegverlauf mit lokalen Wegweisern und Pilger-Logos; in Schweden oft gelbe Schilder/Symbol des Olavswegs, in Norwegen ergänzende Holzschilder und Markierungen. GPX-Tracks empfohlen für Teilabschnitte mit spärlicher Beschilderung.
Geländebeschaffenheit
- Forst- und Wirtschaftswege (Schotter)
- Waldpfade und Moorpassagen
- Abschnitte auf Asphalt in Orten
- Alpine, steinige Wegstücke in der Nähe von Åre und Grenzregionen
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.