Über den Chichibu Kannon Pilgrimage
Der Chichibu Kannon Pilgrimage ist ein 100 Kilometer langer buddhistischer Rundweg in der bergigen Region Chichibu in der Präfektur Saitama, der 34 Tempel verbindet, die der Bodhisattva Kannon, der Göttin des Mitgefühls, geweiht sind. Im Gegensatz zu den beiden anderen großen Kannon-Pilgerwegen – dem Saigoku mit 33 Tempeln in Westjapan und dem Bandō mit 33 Tempeln im Osten – besticht der Chichibu-Weg durch seine Kompaktheit und Zugänglichkeit: Die Route ist in nur 3-5 Tagen zu bewältigen und erfordert keine Durchquerung von Kontrollpunkten, was sie bereits während des Mittelalters (12.-16. Jahrhundert) bei Pilgern beliebt machte. Die 34 Tempel entstanden in der frühen 13.
Jahrhundert, wobei ein 34. Tempel im 16. Jahrhundert hinzugefügt wurde, um eine durchgehende Route von insgesamt 100 Tempeln mit den anderen beiden Pilgerwegen zu schaffen. Besonders während der Edo-Periode (1603-1867) strömten Besucher aus dem nahen Edo (dem heutigen Tokio) hierher, da die Entfernung von nur etwa 100 Kilometern eine machbare Pilgerreise darstellte.
Der Weg führt durch eine Mischung aus urbanen Gebieten und ländlichen Bergregionen, wobei etwa zwei Drittel der Tempel in städtischen Bereichen liegen und die restlichen in eher ruralen Gegenden verborgen sind. Pilger sammeln traditionell Goshuin-Stempel in speziellen Notizbüchern und können die Tempel in beliebiger Reihenfolge besuchen – von Tempel 1 bis 34, in umgekehrter Reihenfolge oder in jeder anderen Kombination, die ihnen gefällt. Die Nähe zu Tokio, erreichbar in etwa 1,5-2 Stunden Zugfahrt, macht diesen Weg zu einem einzigartigen Zugang zu authentischer japanischer Spiritualität und Berglandschaft, ohne dabei eine wochenlange Expedition zu erfordern.
Beste Reisezeit
Herbstlaub (kōyō) macht die Berg- und Talabschnitte sehr eindrucksvoll; Wetter ist meist stabil und die Tempelgelände bieten starke Farbkontraste – viele Reiseführer heben Herbstmorgen als beste Zeit hervor.
Meiden: Mittsommer (Juli/August) wegen Hitze und möglicher heftiger Regenfälle sowie Typhoon-Saison; späte Wintermonate wegen Schnee auf Bergpfaden und eingeschränkten Zugangswegen vermeiden.
Klima
Highlights
Shimanbeji Temple (Tempel 1)
Das erste Tempel auf der Pilgerroute markiert den offiziellen Startpunkt des Chichibu Kannon Pilgrimage. Von Tokyo Station aus ist der Tempel in etwa 1,5-2 Stunden erreichbar: Metro bis Ikebukuro, dann Seibu Railway Limited Express bis Seibu Chichibu Station, anschließend 30 Minuten mit dem Bus. Der Tempel verkörpert den Beginn einer spirituellen Reise, die Pilger über die nächsten Tage durch die heiligen Berge Chichibus führt.
Suisenji Temple (Tempel 34)
Der abschließende Tempel der Pilgerroute in der Stadt Minano markiert das Ende der 100-Kilometer-Reise. Suisenji ist bekannt für seine wunderschönen alten Hallen und beeindruckenden steinernen Buddha-Statuen, die nach einer langen Wanderung Erleichterung und spirituelle Erfüllung symbolisieren. Der Tempel bietet einen würdigen Abschluss der Pilgerfahrt mit historischem Charme.
Kyūshōji Temple (Tempel 25)
Dieser Tempel ist für seinen ruhigen und malerischen Koikarpfen-Teich bekannt, der inmitten der Pilgerroute einen Moment der Stille und Besinnung bietet. Die tranquile Atmosphäre und die Wasserlandschaft schaffen einen idealen Ort zum Innehalten und zur spirituellen Reflexion während der mehrtägigen Wanderung.
Kannon-in Temple (Tempel 31)
Dieser Bergtempel bietet historischen Charme und gibt Einblicke in das spirituelle Herz von Chichibu. Die Lage auf einem Berg und die historische Architektur ermöglichen es Pilgern, in die jahrhundertealte Tradition der Asketen und spirituellen Sucher einzutauchen, die diese Gegenden seit langem bevölkern.
Edo Pilgrimage Road (Edo-Pilgerweg)
Dies ist die historische Route, die Pilger aus dem Edo-Zeitalter (1603-1867) aus dem nahen Edo (heutige Tokio) nutzten. Der Weg ist ein faszinierendes Zeugnis der Verbindung zwischen der damaligen Hauptstadt und den heiligen Bergen Chichibus und kann heute noch von modernen Pilgern begangen werden.
Chichibu Basin Mountain Landscape
Die Chichibu-Region erstreckt sich über ein Becken mit Bergen, die seit Jahrhunderten als heilig angesehen werden und Asketen sowie spirituelle Sucher anzogen, die Einsiedeleien und Kultstätten errichteten. Die Berglandschaft mit Wäldern, Bergkämmen und Bergpässen bietet sowohl moderate als auch steilere Anstiege und verbindet die 34 Tempel über etwa 100 Kilometer.
Goshuin Stamp Collection Tradition
Pilger tragen traditionell ein spezielles Notizbuch (Nōkyōchō) mit sich, in das sie an jedem Tempel einen einzigartigen Goshuin-Stempel und Kalligraphie eintragen lassen. Diese Praxis hat ihre Wurzeln in der mittelalterlichen Tradition des Nageln von hölzernen Namensschildern (fuda) an die Tempel zur Markierung des Besuchs.
Omamori Protective Charms
An den Tempeln können Pilger kleine Schutzamulette (omamori) kaufen, die verschiedene Segnungen und Vorteile bringen sollen. Diese handwerklich gefertigten Objekte sind nicht nur spirituelle Symbole, sondern auch wertvolle Souvenirs, die die persönliche Verbindung zur Pilgerreise bewahren.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Chichibu-Kannon-Pilgerweg entstand im frühen 13. Jahrhundert in der späten Kamakura‑Zeit, als sich im bergigen Chichibu-Becken eine dichte Landschaft kleiner Kannon‑Heiligtümer herausbildete. Eine Steintafel aus den Ruinen der Burg Iwao belegt, dass Pilger den Weg spätestens seit 1525 systematisch gingen; zugleich verweisen Heian‑zeitliche Volkserzählungen (794–1185) bereits auf einen Mann, der an „100 Schreinen der Kannon“ opferte – ein Hinweis auf sehr frühe Kannon‑Wallfahrten in der Region. Ursprünglich umfasste der Weg 33 Tempel in Anlehnung an die 33 Erscheinungsformen der Kannon im Lotos‑Sutra; im frühen 16. Jahrhundert wurde Shinpuku‑ji als 34. Tempel hinzugefügt und 1536 endgültig in die Route aufgenommen, sodass Chichibu gemeinsam mit Saigoku und Bandō die große 100‑Kannon‑Pilgerreise bildete. Entstanden ist der Weg aus der Volksfrömmigkeit einer ländlichen Samurai‑ und Bauernregion, in der sich Buddhismus, Shintō und lokale Bergkulte vermischten und in Krisenzeiten des Mittelalters (Kriege, Hungersnöte, Seuchen) ein besonders starkes Bedürfnis nach der barmherzigen Rettung durch Kannon weckte.
Bedeutung
Im Mittelalter spielte der Chichibu‑Pilgerweg eine wichtige Rolle als leicht zugängliche, regionale Wallfahrt, gerade weil zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung streng kontrolliert wurde und die kompakte Route ohne Passierscheine begangen werden konnte. In der Edo‑Zeit (1603–1868) erlebte die Kannon‑Verehrung ab dem späten 17. Jahrhundert einen regelrechten Boom; die 34 Kannon‑Statuen wurden mehrmals im 18. Jahrhundert in Edo (dem heutigen Tōkyō) öffentlich ausgestellt, was zu einem massiven Pilgeranstieg führte. Zwischen 1804 und 1830 sind täglich 20.000 bis 30.000 Pilger auf dem Chichibu‑Weg verzeichnet – ein Strom von Gläubigen, der Gasthäuser, Handelswege, lokale Handwerke und religiöse Kunst wie Kannon‑Statuen, Tempelarchitektur und Pilgerutensilien (Stempelbücher, Votivtafeln) nachhaltig prägte. Berühmte Großmeister oder Herrscher sind zwar nicht namentlich überliefert, doch zählten zahlreiche Edo‑Bürger, wandernde Mönche und Laienbruderschaften (kō‑Gruppen) zu den geistigen Trägern dieses Weges, und legendäre Mönchsgestalten – etwa der Mönch, der in Shimabu‑ji 40.000 Sutren rezitiert haben soll – wurden zu identitätsstiftenden Figuren der regionalen Pilgerkultur.
Heute
Heute gilt der Chichibu‑Kannon‑Pilgerweg als einer der drei großen Kannon‑Pilgerwege Japans und zieht weiterhin jedes Jahr zehntausende bis weit über hunderttausend Pilger und Wanderer an; allein im Frühjahr 1996, als alle 34 Tempel gleichzeitig ihre Kannon‑Statuen zeigten, wurden in nur drei Monaten über 180.000 Pilger registriert. Seit dem späten 20. Jahrhundert erlebt der Weg eine Renaissance, getragen von der Suche nach Entschleunigung, Naturerlebnis und spiritueller Vertiefung nahe der Metropole Tōkyō; traditionelle Elemente wie das Sammeln von Tempelstempeln (goshuin) und Votivzetteln verbinden sich dabei mit moderner Freizeit‑ und Kulturtouristik. Obwohl der Weg kein UNESCO‑Welterbe ist, wird er als wichtiges immaterielles Kulturerbe der Region Saitama wahrgenommen, und viele heutige Pilger kommen, um in der stillen Landschaft, in alten Holztempeln und in der Begegnung mit Kannon Trost, Dankbarkeit und einen Moment existenzieller Klarheit zu finden.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Japanisch. Nützliche Phrasen: 「御朱印お願いします」(Goshuin onegai shimasu – Bitte einen Pilgerstempel); 「巡礼中です」(Junrei-chū desu – Ich bin auf Pilgerschaft); 「このお寺の読み方は?」(Kono otera no yomikata wa? – Wie spricht man diesen Tempelnamen aus?); 「おすすめの名物料理は何ですか」(Osusume no meibutsu ryōri wa nan desu ka – Welche lokale Spezialität empfehlen Sie?)
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Herbst (Ende Oktober bis Mitte November)
Herbstlaub (kōyō) macht die Berg- und Talabschnitte sehr eindrucksvoll; Wetter ist meist stabil und die Tempelgelände bieten starke Farbkontraste – viele Reiseführer heben Herbstmorgen als beste Zeit hervor.
Meiden
Mittsommer (Juli/August) wegen Hitze und möglicher heftiger Regenfälle sowie Typhoon-Saison; späte Wintermonate wegen Schnee auf Bergpfaden und eingeschränkten Zugangswegen vermeiden.
Highlights
Shimabu-ji (Nr.1) – Kannon-dō und 1.300 Steinstatuen
Eingangspunkt mit großem Tor, Kannon-dō-Halle und einer umfangreichen Sammlung von Steinstatuen (regional als Kulturerbe gelistet); Ausgangspunkt für Pilgerutensilien und erste Goshuin-Stempel.
Etappe: Start / bei Chichibu Muse Park (Chichibu)
Kannon-in (Nr.31) – Bergtempel mit Höhlen und Aussicht
Bergtempel, über einen ca.20-minütigen steilen Zugang erreichbar; bekannt für in den Fels gebaute Hallen, zahlreiche Jizō-Statuen in Felsnischen und Aussicht vom Kannon-yama-Aufstieg (≈698 m).
Etappe: ca. Mitte der Runde / bei Kannon-yama (Berg)
Hashidate-do (Nr.28) – rote Kannon-Halle in Felswand und 'stage-style' Okunoin
Markante vermilion Kannon-Halle, in den Fels geschlagene Treppen und eine Okunoin-Plattform mit Aussicht; ein besonders fotogener, geologisch spannender Abschnitt der Route.
Etappe: Bergbereich nahe Chichibu-Geopark / bei Nr.28
Lokale Küche
Waraji-mochi (Chichibu-Spezialität)
Stand und kleine Läden in der Nähe von Chichibu Station (z. B. traditionelle Süßwarengeschäfte entlang der Einkaufsstraße nahe der Tempelzugänge)
Warm frisch am Stand probieren; einige Läden bieten Varianten mit geröstetem Sojabohnenmehl (kinako) — ideal nach einer kurzen Etappe rund um Shimabu-ji.
Hōtō-ähnliche regionale Nudelsuppe / Saitama-Nudelspezialität
Kleine Izakaya und lokale Restaurants in Minano / herum um Kannon-in (Ortsnamen: Minano Town, Restaurants entlang der Route zum Nr.31)
Suchen Sie nach Betrieben, die hausgemachte dicke Nudeln in kräftiger Brühe anbieten; nahrhaft nach Bergaufstieg zur Kannon-in.
Zaru-soba / lokale Soba-Varianten
Familiengeführte Soba-Restaurants nahe Hashidate-do und entlang der Chichibu-Talstraße
Kalte Soba an heißen Tagen oder warme Soba nach regennassen Bergetappen; viele Lokale servieren auch lokale Beilagen wie eingelegtes Gemüse aus der Region.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Minshuku und Ryokan in Chichibu und kleineren Orten
- Business-Hotels in Chichibu City
- Gästehäuser und einfache Pensionen entlang der Route
Wegmarkierung
Tempeleinträge sind lokal ausgeschildert; zwischen Tempeln folgt die Route häufig Landstraßen und Regionalwegen. Teilweise sind Hinweisschilder und Karten vorhanden, aber nicht durchgängig. Eine GPX-Datei oder Karte wird empfohlen.
Geländebeschaffenheit
- Mischung aus Asphaltstraßen, Feldwegen und Waldpfaden
- Moderate bis teils steile Anstiege im Berggebiet
- Abschnitte mit Treppen und steinigem Untergrund
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.