Über den Jerusalemerweg Schweiz
Der Jerusalemerweg Schweiz beschreibt in diesem Eintrag eine durchgehende Pilgerroute von Basel nach Genf durch Mittelland und Jura. Sie verbindet städtische Sakral- und Kulturorte (u. a.
Basel, Biel/Bienne, Neuchâtel, Murten und Genf) mit ruhigen Seeabschnitten (Bielersee, Neuenburgersee, Murtensee) sowie aussichtsreichen Jurahöhen. Der Weg wird von vielen Pilgernden als spirituell geprägte Weitwanderung verstanden, bei der Naturerlebnis, kulturelle Begegnungen und persönliche Einkehr im Vordergrund stehen. Da Markierungen je nach Region variieren können, sind Karten bzw.
GPX-Tracks für eine verlässliche Orientierung sinnvoll.
Beste Reisezeit
In diesen Zeiträumen sind alpine Übergänge schneearm bis schneefrei, das Wetter ist stabiler und die Seeuferabschnitte (Genfersee, Vierwaldstättersee) sind angenehm; außerdem sind Unterkünfte in Touristenorten noch nicht überfüllt bzw. schon wieder ruhiger.
Meiden: Hochwinter (Dezember–März) wegen Schnee an Pässen und eingeschränkter Infrastruktur sowie Hochsommer (Juli–August) in tieferen Lagen wegen Hitze und möglicher Überfüllung an Seeufern
Klima
Highlights
Basel: Münster und Altstadt
Startpunkt mit bedeutender Sakralarchitektur und historischem Stadtkern; ideal für einen bewussten Pilgerbeginn und einen ersten Stempel in kirchlichem Umfeld.
Biel/Bienne und der Bielersee
Bilinguale Stadt am See mit Uferwegen und Blicken auf die Jurakette; ein landschaftlich ruhiger Abschnitt mit guter Infrastruktur.
Neuchâtel: Schloss und Seepromenade
Historische Altstadt am Neuenburgersee mit markantem Schloss- und Kirchenensemble sowie attraktiver Uferpromenade.
Murten/Morat: mittelalterliche Ringmauer
Gut erhaltene Stadtmauer und Altstadtgassen; abendlicher Rundgang bietet besondere Atmosphäre und Ausblicke auf den Murtensee.
Jura-Höhen bei Vallorbe–Sainte-Croix
Aussichtsreiche, teils anspruchsvollere Passage über Jurahöhen mit Waldwegen und Panoramablicken; wetterabhängig besonders eindrucksvoll.
Genf: Cathédrale Saint-Pierre und Altstadt
Zielpunkt mit bedeutender Stadtkirche, historischer Altstadt und Seeufer; guter Abschluss für Pilgerreflexion und Ankunft.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Der Jerusalemerweg Schweiz ist Teil des internationalen Jerusalemweg, dessen Vision 2006 vom Österreicher Johannes Aschauer entwickelt wurde, um einen Fußpilgerweg vom Herzen Europas nach Jerusalem zu schaffen. Konkrete Wegbegehungen und die offizielle Entstehung des Jerusalemweg begannen 2010, als Aschauer gemeinsam mit Otto Klär und dem früheren Abfahrtsweltmeister David Zwilling zu Fuß nach Jerusalem aufbrach und dabei auch die Schweiz auf der Route zwischen Spanien/Frankreich und Österreich durchquerte. In diesen Jahren wurde der Weg systematisch als Friedens- und Pilgerroute markiert und ausgebaut; die Schweizer Teilstrecken – etwa von Genf über die innerschweizerischen Pässe Richtung Vorarlberg/Feldkirch – wurden als verbindendes Glied zwischen den historischen Jakobswegen Westeuropas und den alten Ost‑ und Balkanrouten konzipiert. Historischer Hintergrund ist die seit dem Hochmittelalter (ab dem 11.–12. Jahrhundert) belegte Tradition von Pilgerreisen aus dem Alpenraum ins Heilige Land, die nach den Kreuzzügen und während der Blüte der Schweizer Klöster und Stifte (12.–15. Jahrhundert) wichtige geistliche und kulturelle Impulse gaben; der moderne Jerusalemerweg Schweiz knüpft bewusst an diese jahrhundertealte Pilgerbewegung an, aktualisiert sie aber als ökumenische und interkulturelle Friedensroute.
Bedeutung
Historisch reaktiviert der Jerusalemerweg Schweiz die mittelalterliche Praxis, von den großen Pilgerachsen – insbesondere dem Jakobsweg durch die Westschweiz – weiter in Richtung Rom und Jerusalem aufzubrechen, und macht damit die Schweiz erneut zu einem Transitland zwischen Westeuropa und dem östlichen Mittelmeerraum. Als Teil des längsten Pilger- und Friedenswegs der Welt (rund 8.500 km von Finisterre nach Jerusalem) verbindet der Schweizer Abschnitt Klöster, Stadtkirchen und historische Passübergänge, die seit dem Mittelalter Zentren der Kunst, der Sakralarchitektur und des Handels waren; Pilger brachten Reliquien, Ikonen, Stoffe und Ideen aus dem Orient zurück, was sich in Gotik, Barockausstattungen und Kreuzfahrer‑Legenden in Schweizer Kirchen widerspiegelt. Die Initiative steht in direkter Kontinuität zu religiösen und spirituellen Bewegungen vom mittelalterlichen Wallfahrtswesen über die Reformbewegungen der Neuzeit bis hin zu modernen ökumenischen und interreligiösen Dialogbestrebungen; der Weg versteht sich explizit als Friedensprojekt, das Christentum, Judentum und Islam symbolisch zusammenführt. Zu den prägenden Persönlichkeiten zählen insbesondere Johannes Aschauer, Otto Klär und David Zwilling als Wegbegründer, außerdem kirchliche Würdenträger wie Kardinal Christoph Schönborn, der 2013 den ersten Jerusalemweg‑Pilgerausweis stempelte und damit der jungen Route – einschließlich ihrer Schweizer Teilstücke – hohe kirchliche Anerkennung im deutschsprachigen Raum verlieh.
Heute
Heute ist der Jerusalemerweg – einschließlich des Abschnitts Jerusalemerweg Schweiz von Genf nach Feldkirch – als internationaler Friedens‑ und Kulturweg etabliert, der nach Angaben der Trägerorganisation 19 Länder auf zwei Kontinenten verbindet und jährlich eine stetig wachsende, aber zahlenmäßig noch überschaubare Zahl von Langzeitpilgern sowie zahlreichen Etappenpilgern anzieht. Seit den 2010er‑Jahren erlebt der Weg eine spürbare Renaissance, unterstützt durch Ausstellungen im Europäischen Parlament (2014), kirchliche und zivilgesellschaftliche Friedensinitiativen und seit 2025 durch den Status als offizieller Kandidat für eine Zertifizierung als Kulturroute des Europarates; Teile der Gesamtstrecke führen zudem durch mehrere UNESCO‑Welterbestätten, was seine kulturelle Bedeutung unterstreicht. Moderne Pilgerinnen und Pilger auf dem Jerusalemerweg Schweiz suchen weniger eine verpflichtende Wallfahrt als vielmehr eine existenzielle, oft ökumenische oder interreligiöse Erfahrung: Motivation sind innere Einkehr, Friedensgebet, der Wunsch nach Völkerverständigung und die symbolische Bewegung „vom Ende der Welt zum Anfang“ auf einem Weg, der bewusst Grenzen, Kulturen und Religionen überschreitet.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprachen: Deutsch (Basel, Liestal, Olten, Langenthal, Biel), Französisch (Genève, Biel bilingual). Nützliche Phrasen: 1. «Grüezi, ich bin Pilger auf dem Jerusalemerweg.» 2. «Wo finde ich eine Kirche oder Kapelle in der Nähe?» 3. Französisch: «Bonjour, je suis pèlerin sur le chemin de Jérusalem.» 4. Französisch: «Où puis-je remplir ma bouteille d’eau, s’il vous plaît ?»
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
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Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Spätfrühling bis Frühsommer (Mai–Juni) und Früher Herbst (September)
In diesen Zeiträumen sind alpine Übergänge schneearm bis schneefrei, das Wetter ist stabiler und die Seeuferabschnitte (Genfersee, Vierwaldstättersee) sind angenehm; außerdem sind Unterkünfte in Touristenorten noch nicht überfüllt bzw. schon wieder ruhiger.
Meiden
Hochwinter (Dezember–März) wegen Schnee an Pässen und eingeschränkter Infrastruktur sowie Hochsommer (Juli–August) in tieferen Lagen wegen Hitze und möglicher Überfüllung an Seeufern
Highlights
Basel Münster
Markanter Startpunkt mit historischer Altstadt und bedeutender Sakralarchitektur; ideal für einen bewussten Beginn der Pilgerreise.
Basel
Murten/Morat: Stadtmauer und Altstadt
Mittelalterliche Ringmauer mit Rundgang und Blicken auf den Murtensee; besonders stimmungsvoll am Abend.
Murten/Morat
Genf: Cathédrale Saint-Pierre und Altstadt
Zielpunkt mit historischer Kathedrale, Altstadtgassen und Seeufer; guter Ort für Abschluss und Reflexion.
Genève/Genf
Lokale Küche
Basler Läckerli
Bäckereien und Confiserien in Basel
Gut als haltbarer Proviant für unterwegs; in Basel gibt es viele Varianten von klassisch bis modern interpretiert.
Eglifilets (Bielersee)
Uferrestaurants in Biel/Bienne und entlang des Bielersees
Am besten zur Mittagszeit oder mit Reservierung am Wochenende; oft mit regionalen Beilagen serviert.
Käsefondue (Westschweiz/Jura)
Gasthäuser in der Region Neuchâtel–Vallorbe–Sainte-Croix
Ideal nach kühleren oder nassen Jura-Etappen; nach lokalen Käsemischungen fragen.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Gasthäuser und Hotels in Städteetappen
- Bed & Breakfasts und Pensionen
- Campingplätze an Seen (saisonabhängig)
Wegmarkierung
Teilweise markiert; regional unterschiedliche Zeichen und lokale Wanderweg-Markierungen. GPX-Tracks und Karten empfohlen.
Geländebeschaffenheit
- gut ausgebaute Wander- und Wirtschaftswege
- Asphaltierte Abschnitte durch Ortschaften
- Waldpfade und kurzzeitige steilere Anstiege in Jurahöhen
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.