Über den Via Sacra
Die Via Sacra ist nicht einfach ein Pilgerweg, sondern die Verkörperung von acht Jahrhunderten österreichischer Wallfahrtstradition. Seit über 800 Jahren pilgern Gläubige, Fürsten und Kaiser auf dieser Route von Wien nach Mariazell, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Mitteleuropas. Die 120 Kilometer lange Strecke beginnt bei der Spinnerin am Kreuz im südlichen Stadtrand Wiens und führt durch den Wienerwald, das Traisen- und Pielachtal bis zu den Vorbergen des Ötschers.
Was diesen Weg einzigartig macht, ist die Dichte an spirituellen Stationen: Bildstöcke, Kapellen und kunsthistorisch bedeutsame Kirchen säumen die Route wie Perlen an einer Schnur. Der Weg verbindet dabei radikal unterschiedliche Welten – man wandert von der Großstadt durch stille Waldpassagen, vorbei an prächtigen Stiften wie Heiligenkreuz und Lilienfeld, über die sogenannten Heiligen Berge bis zur Basilika Mariazell, die malerisch in einem bewaldeten Tal liegt. Die Etappen wechseln zwischen asphaltierten Ortsdurchgängen, schattigen Forstwegen und steileren Anstiegen, wobei zwei der fünf Tage durchaus 30 Kilometer überschreiten.
Das Besondere: Die Via Sacra ist kein moderner Wandertrend, sondern ein gelebter Weg mit authentischer Infrastruktur – Pilger können in den Klöstern übernachten, werden in lokalen Gasthöfen bewirtet, und überall begegnet man der gelebten Wallfahrtstradition. Dies ist Spiritualität ohne Kitsch, Geschichte ohne Museum.
Beste Reisezeit
Milde Temperaturen im Wienerwald und Mostviertel, trockene Pfade in Schluchten und Bergen, volle Zugänglichkeit der Wallfahrtsorte.
Meiden: November bis April wegen Schnee auf Kieneck und Annaberg sowie matschiger Wege in Türnitzschlucht
Klima
Highlights
Stift Heiligenkreuz
Das älteste noch bewohnte Zisterzienserkloster der Welt, gegründet 1133, beeindruckt mit seinem romanischen Kreuzgang und der barocken Kirche. Pilger können hier übernachten und die täglichen Gebetszeiten der Mönche miterleben – eine seltene Möglichkeit, das klösterliche Leben authentisch zu erfahren.
Stift Lilienfeld
Dieses gotische Meisterwerk aus dem 13. Jahrhundert prägt die Landschaft des Traistals mit seinen charakteristischen Türmen und der prächtigen Kirche. Das Stift bietet ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger und beherbergt eine bedeutende Bibliothek mit mittelalterlichen Handschriften.
Annaberg – Der erste Heilige Berg
Auf 825 Metern Höhe erhebt sich die Wallfahrtskirche Annaberg mit ihrer barocken Zwiebeldächer-Kuppel. Der Ort ist bekannt für seinen kunstvollen Kreuzweg mit Monotypien des Künstlers Sepp Gamsjäger und bietet eine herrliche Aussicht über die umliegenden Berge.
Wienerwald – Naturlandschaft zwischen den Welten
Die ersten Etappen führen durch den Wienerwald, ein dichtes Waldgebiet mit Föhren und Buchen, das nur 20 Kilometer von Wiens Zentrum entfernt beginnt. Diese Landschaft symbolisiert den Übergang von der städtischen zur spirituellen Welt und war bereits im Mittelalter der bevorzugte Meditationsort für Pilger.
Basilika Mariazell
Das Ziel der Pilgerreise: Eine der bedeutendsten Marienkirchen Europas, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. Die Basilika wurde mehrfach umgebaut und vereint romanische, gotische und barocke Elemente. Der Gnadenaltar mit der Magna Mater Austriae ist das Herzstück der Wallfahrt.
Mayerling – Ort der Geschichte
Diese kleine Ortschaft ist Schauplatz des tragischen Freitods von Kronprinz Rudolf 1889, einem Wendepunkt der österreichischen Geschichte. Die Kapelle erinnert an dieses Ereignis und zeigt die tiefe religiöse Dimension, die Pilgerfahrten in Österreich haben.
Sebastianiweg – Der letzte spirituelle Abschnitt
Die finale Etappe von Mitterbach nach Mariazell folgt dem malerischen Sebastianiweg mit seinen Rosenkranz-Bildstöcken. Dieser Weg gilt als besonders meditativ und bereitet Pilger emotional auf die Ankunft in Mariazell vor.
Traisen- und Pielachtal
Diese beiden Täler prägen die mittleren Etappen mit ihrer alpinen Vorhügellandschaft. Die Flussläufe haben über Jahrtausende tiefe Schluchten gegraben und schaffen eine dramatische Kulisse, die Pilger zwischen Anstrengung und Schönheit hin und her reißt.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Die Via Sacra von Wien nach Mariazell gilt als **ältester Pilgerweg Österreichs** und entstand im Kontext der Gründung des Marienwallfahrtsortes Mariazell im 12. Jahrhundert. Eine zentrale Gründungslegende berichtet vom Mönch Magnus, der 1157 aus dem steirischen Stift St. Lambrecht in das Gebiet des heutigen Mariazell gesandt wurde und dort die erste Zelle samt Marienbild („Maria in der Zelle“) errichtete, aus der sich die Wallfahrt entwickelte. Spätestens ab dem späten 12. und 13. Jahrhundert, parallel zum Ausbau der romanischen Kirche in Mariazell und zur wachsenden Marienverehrung im Hochmittelalter, bildete sich der Zugangsweg aus Wien über Heiligenkreuz, Klein-Mariazell, Lilienfeld und Annaberg als Hauptroute heraus. Politisch-religiöse Rahmenbedingungen wie die Festigung des Christentums im Osten des Heiligen Römischen Reiches und die Förderung von Wallfahrten durch geistliche und weltliche Eliten im 12.–13. Jahrhundert trugen maßgeblich zur Entstehung und frühen Verbreitung dieser Marienwallfahrt bei.
Bedeutung
Im Spätmittelalter war die Via Sacra eine der wichtigsten **Marienwallfahrtsrouten Mitteleuropas**, über die Pilger aus Wien, aber auch aus slawischen und ungarischen Gebieten nach Mariazell strömten; sie prägte damit religiöses Leben, Volksfrömmigkeit und regionale Identität nachhaltig. Entlang des Weges entstanden bedeutende Klöster und Kirchen – etwa das Zisterzienserstift Heiligenkreuz (12. Jh.), das ehemalige Benediktinerkloster Klein-Mariazell mit seiner romanischen Kirche und das Zisterzienserstift Lilienfeld als größte mittelalterliche Klosteranlage Österreichs –, deren Architektur vom romanischen über den gotischen bis zum barocken Stil die Entwicklung kirchlicher Kunst widerspiegelt. Die Habsburger-Dynastie förderte seit dem Spätmittelalter und besonders in der Gegenreformation die Marienverehrung in Mariazell; Mariazell wurde zur „Magna Mater Austriae“ und zum Anziehungspunkt für Katholiken aus ganz Mitteleuropa, wodurch die Via Sacra auch zu einem politischen Symbol katholischer Identität im Vielvölkerreich wurde. Neben unzähligen anonymen Pilgern nutzten hochrangige kirchliche und weltliche Persönlichkeiten – darunter habsburgische Herrscher und geistliche Würdenträger aus Österreich und Ungarn – den Weg, was den Ausbau von Infrastruktur, Handel und Beherbergungseinrichtungen entlang der Route förderte.
Heute
Seit den 1990er- und besonders seit den 2000er-Jahren erlebt die Via Sacra im Zuge der allgemeinen Wiederentdeckung des Pilgerns eine deutliche Renaissance; regionale Initiativen und Projekte zur „Revitalisierung“ des alten Wallfahrerwegs wurden unter anderem ab 2005 gezielt vorangetrieben. Die Route ist heute durchgehend markiert und touristisch erschlossen, und es wird daran gearbeitet, sie in ein mitteleuropäisches Netzwerk von Marienwegen einzubetten, wodurch jährlich Tausende Pilger und Wanderer – religiös motiviert oder auf der Suche nach Entschleunigung, Naturerlebnis und spiritueller Vertiefung – den Weg gehen. Ein offizieller UNESCO-Welterbe-Status besteht für die Via Sacra selbst nicht, doch ihre entlang führenden Klöster und der Wallfahrtsort Mariazell verleihen ihr weiterhin einen starken kulturellen und spirituellen Anziehungspunkt für moderne Pilger.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Deutsch (österr. Variante). Nützliche Phrasen: „Grüß Gott“ (höfliche Begrüßung auf dem Land), „Haben Sie ein Pilgermenü?“ (nach einfachem Essen fragen), „Könnten Sie meinen Pilgerpass stempeln?“ (Stempel im Quartier/Kirche erbitten), „Wo geht es weiter auf der Via Sacra?“ (nach dem weiteren Weg fragen)
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Mai bis Oktober
Milde Temperaturen im Wienerwald und Mostviertel, trockene Pfade in Schluchten und Bergen, volle Zugänglichkeit der Wallfahrtsorte.
Meiden
November bis April wegen Schnee auf Kieneck und Annaberg sowie matschiger Wege in Türnitzschlucht
Highlights
Stift Heiligenkreuz
Mächtiges Zisterzienserstift mit kunsthistorischer Bedeutung, spiritueller Startpunkt.
Etappe 1 / Heiligenkreuz
Wallfahrtskirche Annaberg
Erster Heiliger Berg mit Sankt Anna Selbdritt und einzigartigem Kreuzweg.
Etappe 4 / Annaberg
Stift Lilienfeld
Barockes Zisterzienserstift im Traisental, zentrale Station mit Pilgertradition.
Etappe 3 / Lilienfeld
Lokale Küche
Mostviertler Käferbohnen
Gasthaus in Türnitz
Frische Bohnengerichte mit regionalem Most nach Eibentaler Klamm.
Gölsentaler Almkäse
Unterberghaus nahe Kieneck
Hausgemachter Käse mit Brot bei der Bergankunft aus Kaumberg.
Annaberger Most
Wallfahrtsgasthof Annaberg
Lokaler Apfelmost nach Kreuzweg, traditionell bei Pilgern beliebt.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Pilgerherbergen / private Schlafplätze
- Gasthöfe und Pensionen
- Kleine Hotels (Ortszentren)
- Klosterübernachtungen (begrenzte Plätze)
Wegmarkierung
Die Route ist weitgehend ausgeschildert: lokale Wanderzeichen ergänzen spezielle ‚Via Sacra‘-Schilder mit Pfeil bzw. Pilgersymbol. In Dörfern sind Wegweiser mit Kilometern nach Mariazell angebracht. Karten/GPX empfehlen.
Geländebeschaffenheit
- Asphaltierte Orts- und Forststraßen
- Schotterwege und Waldpfade
- Steilere, teils felsige Anstiege in den Vorbergen
- Abschnitte entlang von Flusstälern und Feldern
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.