Über den Via Sacra (Mariazell)
Die Via Sacra ist eine der ältesten und traditionsreichsten Marienwallfahrtsrouten Österreichs, die von Brunn am Gebirge südlich Wiens bis zur Basilika Mariazell führt. Diese etwa 110 Kilometer lange Strecke verbindet nicht nur zwei heilige Orte, sondern erzählt die Geschichte von Jahrhunderten österreichischer Frömmigkeit und Volksfrömmigkeit. Der Weg beginnt an der Schwelle zwischen der modernen Großstadt und dem Wienerwald, führt durch das hügelige Mostviertel mit seinen charakteristischen Föhrenwäldern und endet in den Voralpen bei Österreichs wichtigstem Marienwallfahrtsort.
Unterwegs passieren Pilger das Stift Heiligenkreuz, eines der ältesten Zisterzienserklöster Europas (gegründet 1133), und das Stift Lilienfeld mit seiner gotischen Architektur. Die Route folgt teilweise historischen Pfaden, auf denen seit dem Mittelalter Gläubige zur Basilika pilgerten, wobei die Wege heute bewusst durch die ruhige Landschaft abseits der modernen Hauptstraßen führen. Was diese Wallfahrt auszeichnet, ist die Mischung aus spiritueller Tiefe und landschaftlicher Vielfalt: Pilger erleben den Übergang von Kulturlandschaft zu Bergwelt, begegnen unterwegs Bildstöcken und Wegkapellen, die von lokaler Volksfrömmigkeit zeugen, und finden in kleinen Dörfern wie Mayerling oder Annaberg Orte der Besinnung.
Die gute Infrastruktur mit Gasthöfen und Unterkunftsmöglichkeiten in den Etappenorten macht diese Wallfahrt auch für moderne Pilger zugänglich, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Beste Reisezeit
Wenig Schnee auf Passagen und in der Falkenschlucht, längere Tageslichtzeiten für die langen Etappen (z. B. Kaumberg→Lilienfeld) sowie geöffnete Einkehr‑/Übernachtungsmöglichkeiten in Lilienfeld, Annaberg und Mariazell.
Meiden: Wintermonate/Frühjahr bei Schneeschmelze (weiße Höhen, glitschige Waldpfade und mögliche Forstarbeiten/Sperren) und Schlechtwetterperioden, die die drahtlosen Funklöcher und schwierige Pfade riskanter machen.
Klima
Highlights
Stift Heiligenkreuz
Das 1133 gegründete Zisterzienserkloster ist eines der ältesten noch bewohnten Klöster Europas und beeindruckt durch seine romanische und gotische Architektur. Die Klosterkirche beherbergt das Heilige Kreuz, eine der bedeutendsten Reliquien der Christenheit, und Pilger können hier übernachten und an den Gebetszeiten der Mönche teilnehmen. Die Stille des Kreuzgangs und die Jahrhunderte alte Tradition machen Heiligenkreuz zu einem spirituellen Höhepunkt der Wallfahrt.
Stift Lilienfeld
Dieses gotische Zisterzienserkloster wurde 1202 gegründet und prägt mit seinen hohen Kreuzgratgewölben und der imposanten Kirche die Landschaft des Mostviertel. Das Kloster war historisch ein Zentrum der Gelehrsamkeit und Handwerkskunst und beherbergt heute eine bedeutende Bibliothek. Auch hier können Pilger übernachten und die Gastfreundschaft der Mönche erfahren.
Mayerling und die Kapelle
Mayerling ist berüchtigt für das tragische Schicksal von Kronprinz Rudolf und seiner Geliebten Maria Vetsera im Jahr 1889. An dieser Stelle wurde später eine Karmeliterinnenkonvent errichtet, die heute ein Ort der Versöhnung und des Gebetes ist. Die Kapelle bietet Pilgern einen Moment der Reflexion über menschliches Leid und göttliche Gnade.
Annaberg - Der erste heilige Berg
Annaberg ist der erste der sogenannten 'Heiligen Berge' auf dem Weg zu Mariazell und beherbergt eine Wallfahrtskirche mit beeindruckender Aussicht über das Mariazellerland. Der Berg war bereits im Mittelalter ein Wallfahrtsziel und die Kirche wurde mehrfach umgebaut. Von hier aus eröffnet sich ein panoramischer Blick auf die kommende Berglandschaft.
Basilika Mariazell
Die Basilika Mariazell ist das Ziel der Wallfahrt und eines der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas, das seit dem 14. Jahrhundert Pilger anzieht. Die gotische Gnadenkapelle beherbergt die Statue der Magna Mater Austriae (Große Mutter Österreichs), und die barocke Basilika wurde im 17. Jahrhundert erweitert. Der Anblick der Basilika in der malerischen Berglandschaft ist für viele Pilger ein emotional erfüllendes Moment.
Wienerwald und Föhrenwälder
Die ersten Etappen führen durch den Wienerwald, einen der größten zusammenhängenden Laubwälder Mitteleuropas, bevor die Route in die charakteristischen Föhrenwälder des Mostviertel übergeht. Diese Wälder bieten Schutz und Kühle während der Wanderung und sind Lebensraum für typische Waldvögel und Wildkräuter. Die Waldlandschaft ist ein wesentlicher Teil der spirituellen Erfahrung dieser Wallfahrt.
Bildstöcke und Wegkapellen
Entlang der gesamten Route finden sich hunderte von Bildstöcken und kleinen Wegkapellen, die von lokaler Volksfrömmigkeit über Jahrhunderte zeugen. Diese oft kunstvoll gestalteten Steindenkmäler zeigen religiöse Szenen und sind häufig mit Blumen oder Kerzen geschmückt. Sie laden zu kurzen Gebetspausen ein und verdeutlichen die tiefe religiöse Verwurzelung dieser Landschaft.
Mariazellerbahn - Die historische Rückfahrt
Die Mariazellerbahn, eine nostalgische Bergbahn, verbindet Mariazell mit St. Pölten und fährt über historische Brücken und durch Tunnels durch die Berglandschaft. Die Bahnstrecke wurde 1898 eröffnet und ist selbst ein kulturelles Denkmal. Viele Pilger nutzen diese romantische Rückfahrt, um ihre Wallfahrt zu beschließen.
Geschichte & Bedeutung
Ursprung
Die Wurzeln der Via Sacra nach Mariazell reichen in die Mitte des 12. Jahrhunderts, zur Gründung des Gnadenortes Mariazell um 1157, zurück, als der Legende nach der Mönch Magnus aus dem steirischen Stift St. Lambrecht hier eine Marienstatue aufstellte und eine erste „Cella“ errichtete. Bereits kurz nach dieser Gründung entwickelte sich aus regionalen Wegen eine immer häufiger begangene Wallfahrtsroute von Wien durch den Wienerwald und das Traisen‑ und Gölsental in Richtung Mariazell; seit dem Hochmittelalter wird dieser Weg als ältester Wallfahrerweg Österreichs bezeugt. Ein entscheidender historischer Motor war die Ausbreitung der Marienverehrung in Mitteleuropa sowie die Gründung mächtiger Klöster entlang der Strecke – insbesondere des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz ab 1133 und später des Stiftes Lilienfeld im 13. Jahrhundert, die den Raum geistlich und wirtschaftlich erschlossen. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit verfestigte sich die Route zur „heiligen Straße“ (Via Sacra), da Mariazell sich trotz Kriegswirren, Bränden und der Reformation als überregionaler Gnadenort behauptete und Pilger aus dem gesamten Habsburgerreich, dem slawischen und ungarischen Raum anzog.
Bedeutung
Im Mittelalter wurde die Via Sacra zu einer der wichtigsten Achsen der mitteleuropäischen Marienwallfahrt: Sie verband die aufstrebende Residenzstadt Wien mit dem Gnadenort Mariazell und machte diesen zum berühmtesten Wallfahrtsort Österreichs. Die Klöster Heiligenkreuz, Klein‑Mariazell und Lilienfeld fungierten als geistige Zentren, förderten Kunst und Architektur – von romanischen und gotischen Klosteranlagen über Glasmalereien bis zu barocken Wallfahrtskirchen des 18. Jahrhunderts (etwa Hafnerberg, St. Corona), die sowohl Etappenorte als auch selbstständige Wallfahrtsziele wurden. Entlang der Route entstanden Märkte, Herbergen und Handwerksbetriebe, die vom Wallfahrtsboom profitierten und den Weg zu einer wichtigen wirtschaftlichen Lebensader zwischen Wienerwald und Voralpen machten. Neben unzähligen einfachen Gläubigen nutzten auch Fürsten und Kaiser – im Kontext einer streng katholischen Habsburgerfrömmigkeit und der besonderen Rolle Mariazells für Ungarn und andere Teile Osteuropas – die Via Sacra, wodurch der Weg politisch-symbolisch aufgeladen wurde und als Manifestation katholischer Identität im Heiligen Römischen Reich und späteren Habsburgerreich galt.
Heute
Im 20. Jahrhundert setzte eine bewusste Wiederbelebung der alten Wallfahrertradition ein; seit den 1990er‑ und 2000er‑Jahren wird die Via Sacra in Kombination mit dem Wiener Wallfahrerweg systematisch markiert, touristisch und spirituell vermarktet und als „ältester Wallfahrerweg Österreichs“ neu ins Bewusstsein gerückt. Projekte zur Revitalisierung verfolgten teils ambitionierte Ziele von bis zu 200.000 zusätzlichen Pilgern und Wanderern, sodass heute jährlich eine hohe Zahl religiös und kulturell motivierter Menschen – von klassischen Betergruppen bis zu Sinn‑ und Natursuchenden – zu Fuß nach Mariazell aufbricht. Obwohl die Via Sacra selbst kein UNESCO‑Welterbe ist, gilt sie vielen modernen Pilgern als lebendiger Kulturweg, der historische Frömmigkeit, klösterliche Spiritualität und das Bedürfnis nach Entschleunigung und persönlicher Neuorientierung miteinander verbindet.
Kultur & Tradition
Regionale Spezialitäten
Traditionen & Bräuche
Sprache
Hauptsprache: Österreichisches Deutsch. Nützliche Phrasen: Guten Tag, Wo geht’s zum Pilgerweg?, Einmal Schnitzel, bitte, Danke schön
Etappenplan
* Beispielhafte Einteilung
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Tagesetappe
Höhenprofil
Besondere Herausforderungen
Insider-Tipps
Beste Reisezeit
Empfohlen
Ende Mai bis September (Sommerhalbjahr, stabile Wege)
Wenig Schnee auf Passagen und in der Falkenschlucht, längere Tageslichtzeiten für die langen Etappen (z. B. Kaumberg→Lilienfeld) sowie geöffnete Einkehr‑/Übernachtungsmöglichkeiten in Lilienfeld, Annaberg und Mariazell.
Meiden
Wintermonate/Frühjahr bei Schneeschmelze (weiße Höhen, glitschige Waldpfade und mögliche Forstarbeiten/Sperren) und Schlechtwetterperioden, die die drahtlosen Funklöcher und schwierige Pfade riskanter machen.
Highlights
Basilika Mariazell
Ziel der Via Sacra: barock‑gotische Basilika mit der verehrten Magna Mater Austriae‑Statue in der Wallfahrtsstadt Mariazell.
Ende der Route / Mariazell
Stift Lilienfeld
Zisterzienserkloster mit romanisch‑gotischen Elementen und markanter Atmosphäre, üblicher Übernachtungs‑ und Besichtigungspunkt auf der Via Sacra.
Etappe Kaumberg → Lilienfeld / Lilienfeld
Falkenschlucht / Türnitzschlucht (Kreuzwegstationen)
Wildromantische Schlucht mit barocken Kreuzwegstationen und langen, naturnahen Passagen; charakteristisch für den naturnahen Verlauf der Via Sacra.
Zwischen St. Veit / Türnitz Richtung Annaberg
Lokale Küche
Mostviertler Brettljausn / Brettljause
Gasthof zur Linde oder Dorfgasthof in Kaumberg (lokale Gasthöfe entlang Etappe Kaumberg→St. Veit)
In Kaumberg oder Hainfeld traditionelle Moste probieren; viele Gasthöfe servieren Brettljause als regionale Stärkung.
Lilienfelder Mühlviertler Schmankerl (Klosterküche‑Anklänge)
Stiftsgasthof bzw. Betriebe in Lilienfeld (Gastronomie rund ums Stift)
Stiftsnähe: lokale Kuchen/Strudel und traditionelle steirische Gerichte nach Etappenankunft genießen.
Mariazeller Spezialität: Nussbeugel / Mariazeller Lebkuchen
Konditoreien und Souvenirläden in Mariazell (Marktplatz / Fußgängerzone nahe Basilika)
Als Abschlusssnack oder Geschenk; in Mariazell gibt es mehrere traditionelle Konditoreien mit regionalen Variationen.
Praktische Informationen
Unterkunftsmöglichkeiten
- Gasthäuser und Pensionen in den Ortschaften
- Pilgerquartiere und einfache Herbergen
- Kleine Hotels in größeren Zwischenorten
Wegmarkierung
Die Via Sacra ist regional markiert; Zeichen variieren (Schilder, Pilgerkreuz). Karten und GPX dringend empfohlen, da Markierung abschnittsweise unterschiedlich ausgeprägt ist.
Geländebeschaffenheit
- Wald- und Forstwege
- Land- und Nebenstraßen (asphaltiert)
- Hügelige Abschnitte mit moderaten Anstiegen
Allgemeine Pilgertipps zu Ausrüstung, Gesundheit und Sicherheit findest du auf unserer Pilgertipps-Seite.